Sky: »And Just Like That...«

»And Just Like That...« (Serie, 2021). © WarnerMedia Direct/HBO Max

© WarnerMedia Direct/HBO Max

Da waren's nur noch drei

Im Februar 2004 lief in den USA die letzte Folge »Sex And the City«. 18 Jahre und zwei reichlich misslungene Kinofilme später ist nun in der Fortsetzung vieles noch immer genau wie beim letzten Mal mit den New Yorker Freundinnen. Carrie (Sarah Jessica Parker) ist glücklich verheiratet mit Mr. Big und lebt in einem Apartment, wo die Manolo Blahniks ein eigenes Zimmer haben. Charlotte (Kristin Davis) ist Mrs. Harry Goldenblatt und in der Erziehung der beiden Töchter gewohnt ehrgeizig. Und Miranda (Cynthia Nixon) ist weiterhin mit dem inzwischen Hörgerät tragenden Steve liiert, dem Vater ihres Sohnes Brady, auch wenn aus der Beziehung ein wenig die Luft raus ist. Nur Samantha fehlt.

Dass die sexpositive PR-Beraterin nach einem Streit mit Carrie inzwischen in London lebt (weil Schauspielerin Kim Cattrall nicht zu einem Mitwirken zu bewegen war), ist dennoch nicht die einzige Veränderung. Miranda hat ihren Kanzleijob aufgegeben und will noch mal studieren, während Carrie – weil die großen Printzeiten vorbei sind – jetzt in Podcasts zu Gast ist. Außerdem gab's gerade erst eine Pandemie, die hier gleichwohl als überstanden präsentiert und trotzdem fast so häufig thematisiert wird wie das Färben und Nicht-Färben grauer Haare. Denn dass die feiernden Singles von damals nun gesettelte Ladies Mitte 50 sind, die nicht so richtig gern altern, lässt sich natürlich nicht ignorieren.

Weil früher »Sex And the City« zu Recht vorgeworfen wurde, einen allzu weißen Alltagskosmos zu präsentieren, ist der alte und neue Showrunner Michael Patrick King nun darum bemüht, jeder der Protagonistinnen eine Person of Color zur Seite zu stellen. Miranda studiert bei einer schwarzen Professorin (Karen Pittman), Charlotte freundet sich mit einer anderen Mutter (Nicole Ari Parker) an, und Carries Podcast-Boss Che (Sara Ramirez) ist queer, nichtbinär und hat Latinowurzeln. Das ist nicht nur arg bemüht, sondern verrät in seinem unbeholfenen bis ignoranten Umgang mit omnipräsenten Gesellschaftsdiskursen dieser Tage auch die Figuren, die doch eigentlich immer als aufgeklärte, kluge Frauen am Puls der Zeit angelegt waren.

So geschickt außerdem in »And Just Like That...« Samanthas Abwesenheit verhandelt wird, so sehr fehlt die Figur als solche: Mit ihr scheint direkt die Freude am Thema Sex verloren gegangen zu sein. Auch sitzen Tempo und Timing noch nicht, zumindest in den ersten beiden von zehn Folgen. Darüber hinaus setzt ein Schock zum Ende der ersten Episode einen dezidiert ernsthaften Tonfall.

Und doch: Als Wiedersehen mit alten Freundinnen funktioniert die Serie erfreulich gut. Manhattan erstrahlt im gleichen Glamour wie die fabelhaften Outfits, und Fans von damals dürfen sich daran freuen, wie geschickt Bezüge zu früher hergestellt werden, nicht nur durch Nebenfiguren wie Carries Freund Stanford (Willie Garson, der während der Dreharbeiten an Krebs starb), sondern auch mit musikalischen Referenzen und sogar einem Paar Schuhe.

OV-Trailer

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