DVD-Tipp: »Time out of Mind«

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Kein Zuhause, nirgends

Richard Gere in der Rolle eines Obdachlosen ist erst einmal nichts, was man sich so leicht vorstellen kann. Zu fest verankert ist das Image das gut aussehenden Weltmannes. Aber gerade in diesem irritierenden Kontrast liegt der Clou von Oren Movermans neuem Film »Time Out of Mind«: Die smarte amerikanische Virilität, für die Gere so oft stand, ist hier endgültig vor die Hunde gegangen. Dabei geht es Moverman weniger um die Ursachen des sozialen Abstiegs.

Er zeigt vor allem den zermürbenden Alltag eines Menschen, der jeden Halt verloren hat. Das ziellose Umherwandern zwischen all den zielstrebigen Menschen; die Rituale in den Obdachlosenunterkünften und die kafkaesken Behördengänge; die kleinen Betteleien und immer wieder die erlösenden Schlucke aus der Bierdose. Viel mehr passiert nicht in dem Film, der zum Glück auch nicht versucht, aus der Verlorenheit eine verlogene Poesie zu gewinnen. Kameramann Bobby Bukowski filmt Gere meist aus der Distanz, mit sehr langen Brennweiten – eine clevere Visualisierung des Abstands, den wir zu solchen Schicksalen halten. Häufig sieht man ihn durch Fensterscheiben, in denen das geschäftige Treiben der Stadt sich spiegelt. Als wäre er ein Gespenst der ihn umgebenden Bürgerlichkeit.

Mit »Time Out of Mind« knüpft Moverman nahtlos an seine Regiearbeiten »The Messenger« und »Rampart« an. Alle drei Filme sind Porträts amerikanischer Archetypen in der Krise: Ein Soldat in »The Messenger«, ein L.A.-Cop in »Rampart« und nun ein Geschäftsmann, der zu einem jener »homeless people« wird, welche das Stadtbild sämtlicher US-Metropolen prägen. »Time Out of Mind« hat zwar nicht die emotionale Komplexität der Vorgängerfilme; seine Langsamkeit und die radikale Verweigerung üblicher Dramaturgiekonventionen machen ihn bisweilen so lähmend wie den Alltag seines Protagonisten. Dennoch ist es ein Film, der in den Bann zieht. Nicht zuletzt wegen des hervorragenden Richard Gere, der auch mit 66 noch zu den großen Unterschätzten des amerikanischen Kinos zählt.

 

 

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