Wieder im Kino: »Die Teufel« (1971)

»Die Teufel« (1971). © Warner Bros. Entertainment

»Die Teufel« (1971). © Warner Bros. Entertainment

Mehr als Nunsploitation: Ken Russells antiklerikaler Skandalfilm in restaurierter Fassung ab 29.10. im Kino

Ken Russells seinerzeit umstrittener und mehrfach umgeschnittener »Die Teufel« (1971) ist weit mehr als ein antiklerikaler Skandalfilm. Die Verfilmung von Aldous Huxleys Roman »The Devils of Loudun« (1952) verbindet historische Rekonstruktion, religiöses Melodram und expressionistisches Kino.

Russell nutzt einen Fall politisch motivierter Hexenverfolgung im Jahr 1634 als Studie über Macht, Repression und kollektive Hysterie. Das barocke Frankreich erscheint dabei als klaustrophobische Bühne, auf der Religion, Sexualität und Politik ineinanderwirken: Der ketzerische Kleriker Grandier (Oliver Reed) wird zum Gegenpol einer Institution, die religiöse Anklage zur politischen Machtabsicherung nutzt. Und Vanessa Redgrave gibt der Oberin Jeanne des Anges zwischen Begehren, religiöser Ekstase und Abhängigkeit eine verstörende Ambivalenz.

Die Zensurgeschichte gehört zur Wirkungsgeschichte des Films. »Die Teufel« wurde selbst zu einem Beispiel jener kulturellen Kontrolle, die er thematisiert. Seine Bedeutung liegt dennoch nicht im Tabubruch, sondern in der radikalen Verbindung von Körperpolitik und filmischer Form. Dass das heute noch funktioniert, kann man nun in der restaurierten Fassung sehen.

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