Kritik zu The Lights, They Fall

© Grandfilm

2026
Original-Titel: 
The Lights, They Fall
Filmstart in Deutschland: 
20.08.2026
L: 
87 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Der Erstlingsfilm des Regisseurs Saša Vajda folgt einem jungen Mann, der, überfordert vom Sterben der Mutter, zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert.

Bewertung: 3
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Berlin als zeitloser Ort: Im Pfandleihhaus, in dem der 16-jährige Ilay (Mohammed Yassin Ben Majdouba) seine Armbanduhr versetzt, zeigen Uhren an der Wand die jeweilige Weltzeit an, die Uhr über dem Schriftzug »Berlin« fehlt. Das Bild steht für Ilays prekäres Lebensgefühl. »Es ist so, als wäre ich nicht mehr in der Zeit«, sagt er zur Schichtleiterin des Logistikzentrums, wo er jobbt. Sie meint es gut mit ihm, kann ihn aber nicht aus seiner Lethargie reißen.

Zu Hause liegt Ilays Mutter (Mahira Hakberdieva) im Sterben, betreut von der Palliativpflegerin Ana (Flor Prieto Catemaxca), die ihrerseits nicht nur mit den beruflichen Anforderungen kämpft, sondern auch mit der Überwindung ihrer Drogensucht. Ilay versucht, der Konfrontation mit dem Tod aus dem Weg zu gehen, lässt sich, meist allein und oft in der Nacht, durch die Berliner Peripherie treiben. Auch unter seinen eher oberflächlichen Kumpels (»Alles gut, Bruder?«) bleibt er ein schweigsamer Außenseiter. Der Arzt, zu dem ihn Ana begleitet, diagnostiziert chronische Schlaflosigkeit, fragt nach Halluzinationen. Er sehe »Lichter«, sagt llay. Saša Vajdas bisweilen dokumentarisch anmutender Film fordert die Geduld des Publikums heraus. Um Ilays Abdriften in seine eigene Welt (»Ich bin ein Geist«, sagt er) filmisch umzusetzen, wählt Vajda einen extrem langsamen Erzählrhythmus. Dazu verzichtet er auf eine Handlung im traditionellen Sinn. Bewegung entsteht dadurch, dass der Film Ilay bei seinen ziellosen Gängen folgt. Dialoge gibt es wenige, was auch der Tatsache geschuldet sein könnte, dass Vajda ausschließlich mit Laiendarstellern arbeitet. Kameramann Tom Otte wählt vorwiegend lange, statische Einstellungen, bevorzugt Close-ups und Naturaufnahmen, die Ilays Einsamkeit bebildern. Die Charaktere gewinnen letztlich aber wenig Profil. Das gilt besonders für die mexikanische Pflegerin Ana (auch im wirklichen Leben Intensivpflegerin), deren Geschichte, vor allem ihrem Weg aus der Sucht, man im Film mehr Raum gewünscht hätte. So bleibt vieles angedeutet.

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