Drei gegen Einen
Von der linearen Warte aus betrachtet, stellt die heutige Programmgestaltung unserer beiden Kultursender ein Ding der Unmöglichkeit: Man braucht einen Doppelgänger. Arte schickt im Anschluss an „Liebe 1962“ gleich drei interessante Filmdokumentationen ins Rennen um die cinéphile Aufmerksamkeit, während gleichzeitig auf 3SAT der dreistündige Essay „Henry Fonda for President“ läuft.
Wie konnte es zu dieser quotenverderberischen Ballung kommen? Liefert hier eventuell der aktuelle Werbespot eines Medienkaufhauses („Sorry, ist halt WM“) die Antwort? Da Jürgen Klopp nun aber nicht unbedingt ein Gewährsmann der Filmkultur ist, neige ich eher dazu, mir die Reaktion eines österreichischen, mithin gern grantig urteilendem Kollegen vorzustellen, der in solchen Fällen wohl von „Deppen-Kuratierung“ sprechen würde. Mit Blick auf die Verfügbarkeit in den Mediatheken wird hier indes natürlich aus dem Vollen geschöpft. Zudem ist der sublim anspielungsreiche Dokumentarfilm, den Alexander Horvath, Regina Schlagnitweit und Michael Palm über den US-Schauspieler gedreht haben, inzwischen frisch auf Heimmedien erhältlich. Kurioserweise wurde er ebenfalls von arte mitproduziert und lief dort bereits in der obligatorischen (ein französisches Oktroy) 52-Minuten-Fassung, die anzuschauen ich bislang aber noch nicht übers Herz brachte. Heute Abend geraten also sehr unterschiedliche Formate und Ambitionen in jene Konkurrenz zueinander, von der immer behauptet wird, sie würde das Geschäft beleben. Ein Schwergewicht gegen drei Leicht- oder Weltergewichte? Die Sendezeit der drei arte-Dokumentationen beträgt zusammen immer noch eine halbe Stunde weniger.
Über den großen Wurf „Henry Fonda for President“ habe ich zum deutschen Filmstart im Januar 2025 ausführlich in „epd Film“ geschrieben und muss ihn an dieser Stelle nicht gegen die drei Mitbewerber ausspielen. Sie haben einen je eigenen Fokus und werfen interessante Fragen zu diesem auf arte sehr präsenten Genre auf. Im Anschluss an Antonionis „Liebe 62“ läuft ein Porträt der Hauptdarstellerin Monica Vitti. danach eines von Bernardo Bertrolucci, an das sich schließlich „Der schönste Junge der Welt“ anschließt über Björn Andrésen, der als Tadzio in „Tod in Venedig“ geisterhaft raschen Weltruhm erlangte. Letzteren haben Sie vielleicht schon in der knapp doppelt so langen Kinofassung gesehen, als er Ende 2022 herauskam.
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