Nachruf: Rob Reiner

Ein toller Lauf

6.3.1947 – 14.12.2025

Nehmen wir die legendäre Szene, in der Meg Ryans Sally Billy Crystals Harry mitten im gut gefüllten Katz's Deli lautstark und expressiv einen Orgasmus vorspielt und eine ältere Dame am Nebentisch dem Kellner zuraunt: »I'll have what she's having.« Oder die hübsche Geschichte der fiktiven Heavy-Metal-Band Spinal Tap, deren Amps eine zusätzliche Stufe 11 aufweisen, was übrigens Elon Musk so in seinen Teslas übernommen hat.

Zwischen 1981 und 1992 hatte der Schauspieler Rob Reiner eine ziemlich beispiellose Erfolgsserie als Regisseur, angefangen mit dem Mockumentary-Debüt »This Is Spinal Tap«, mit dem er das Genre überhaupt erst begründete. Dann war da seine erste Stephen-King-Verfilmung »Stand by Me«, eine Coming-of-Age-Geschichte über die Freundschaft von vier kleinen Jungs, die mit dem Verhältnis zu ihren Vätern ringen. »Die Braut des Prinzen«, in der ein Großvater seinem kranken Enkel eine Geschichte vorliest, deren Essenz die Erkenntnis ist, dass im Leben die Liebe das Wichtigste sei. Die RomCom »When Harry Met Sally«, Stephen Kings Stalker-Psycho-Horror »Misery« über einen Schriftsteller, der für den Wunsch, sich von den Erwartungen des Publikums zu emanzipieren, sein Leben riskiert. Das Duell von Jack Nicholson und Tom Cruise im Army-Gerichtsdrama »A Few Good Men«.

Was die sehr unterschiedlichen Filme des 1947 ins Showbiz hineingeborenen Rob Reiner verbindet, sind der humanistische Grundton, die politische Haltung, das Bekenntnis zur Liebe als wichtigster Kraft und die Verbindungslinien zum eigenen Leben, zur eigenen Persönlichkeit: So handelt »Stand by Me« auch von Reiners Auseinandersetzung mit dem eigenen berühmten Vater Carl, die Dame am Nebentisch in »When Harry Met Sally« ist Rob Reiners Mutter. Und so wie Harry wurde auch Reiner durch eine emotional reifere Frau komplettiert. Zehn Jahre nach der Trennung von Penny Marshall lernte er bei den Dreharbeiten seine zweite Frau Michele Singer kennen, für die er dem Film ein Happy End gab, die er sieben Monate später heiratete, mit der zusammen er Mitte Dezember ermordet wurde, nach bisherigen Erkenntnissen erstochen von seinem psychisch labilen Sohn Nick. 2015 hatten die beiden in »Being Charlie« das gemeinsame Ringen mit Nicks Drogensucht verarbeitet.

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