Interview mit Helen Mirren

Helen Mirren in »Madame Mallory und der Duft von Curry«

© Constantin

Als Daniel Day-Lewis bei der Oscarverleihung 2008 die Bühne betrat, um den Preis als bester Hauptdarsteller für There will be Blood entgegenzunehmen, ging er in Erwartung eines Ritterschlages auf die Knie. Überreicht wurde ihm die goldene Statue nämlich von Helen Mirren, die ein Jahr zuvor als The Queen ausgezeichnet worden war. Ob als britisches Staatsoberhaupt, Tolstois Gattin in Ein Russischer Sommer oder französische Restaurantbesitzerin in Madame Mallory und der Duft von Curry – Helen Mirren gehört zum schauspielerischen Hochadel Europas

epd Film: Miss Mirren, Sie gucken gerade so amüsiert auf die verschiedenen Aufnahmegeräte, die da vor Ihnen liegen...

Helen Mirren: Ich finde das immer wieder faszinierend. Wenn man so lange dabei ist wie ich, hat man so viele verschiedene Entwicklungsstadien miterlebt. Ich erinnere mich noch an Zeiten, als alle Journalisten einfach mit Block und Stift vor mir saßen. Und dann kamen diese Walkman-Rekorder mit den Kassetten, bei denen man ständig überprüfen musste, ob sie auch wirklich laufen.

Interessieren Sie sich für Technik?

Ich beschäftige mich nicht wirklich damit. Aber spannend finde ich das schon alles. Nicht zuletzt deswegen wünsche ich mir eigentlich, 150 Jahre alt werden zu können. Einfach um zu sehen, was sich noch alles tut.

Und wie steht es mit Social Media? Begeistern Sie die auch?

Die nun ausgerechnet nicht. Denen kann ich einfach nichts abgewinnen. Mir ist natürlich klar, dass diese sozialen Medien sehr nützlich sein können, sei es in politischer Hinsicht oder für Marketingzwecke. Aber irgendwie finde ich sie auch geschmacklos.

In Madame Mallory und der Duft von Curry sprechen Sie fließend Französisch. Das verdankt sich vermutlich nicht nur dem britischen Schulsystem, oder?

Ein bisschen vielleicht, schließlich habe ich dort die Sprache zum ersten Mal gelernt. Aber ich habe einfach auch diese typische britische Liebe für alles Französische. Gerade in meiner Jugend galten die Franzosen ja als die coolsten, schicksten Leute überhaupt. Mein Gott, wollte ich gerne Französin sein!

Beruflich verschlug es Sie dann aber doch auch nach Frankreich, nicht wahr?

Stimmt, als ich für ein halbes Jahr mit Peter Brook an seinem Centre International de Recherche Théâtrale arbeitete. In der Zeit wurde mein Französisch natürlich ziemlich gut. Inzwischen ist es leider etwas eingerostet.

Madame Mallory ist aber insgesamt eher eine typische Hollywood-Feelgood-Geschichte...

Natürlich sprechen wir hier nicht von einem intellektuellen Arthouse-Film. Aber ich würde es ungerecht finden, die Leistung unseres Regisseurs Lasse Hallström zu schmälern. Denn einen Film wie diesen zu drehen ist sehr viel schwieriger als es aussieht. Im Grunde ist das wie die Zubereitung eines Soufflés. Natürlich dreht sich alles um die Leichtigkeit. Doch wenn man nicht aufpasst oder die falschen Zutaten hat, fällt das alles ganz schnell in sich zusammen und wird geschmacklos.

Dass Sie keine besondere Köchin sind, haben Sie schon oft zu Protokoll gegeben. Hat sich das durch den Film verändert?

Meine Sicht aufs Kochen nicht unbedingt, aber dafür habe ich einen neuen Blick auf das Betreiben eines Restaurants gewonnen.

Essen ist oft mit bestimmten Erinnerungen verbunden. Welche Gerichte sind das für Sie?

Da gibt es natürlich ein paar, die meine Mutter früher gekocht hat. Auch sie war keine allzu begabte Köchin, aber ihre Piroschki waren verdammt gut. Diese mit Kohl gefüllten Teigtaschen hat sie immer für meinen aus Russland stammenden Vater gemacht.

Können Sie sich auch für die indische Küche erwärmen, die im Film ja eine zentrale Rolle spielt?

Oh ja. Mein Mann und ich haben die immer gleiche Tradition, wenn wir nach London kommen: Am ersten Abend gehen wir jedes Mal in das gleiche indische Restaurant. Ich glaube, den meisten Briten geht es mittlerweile wie mir: Das Essen, das man im Ausland am meisten vermisst, ist längst nicht mehr etwas traditionell Britisches wie Roastbeef oder Yorkshire Pudding, sondern ein gutes Curry. Nirgends auf der Welt gibt es – jenseits von Indien – so gutes indisches Essen wie in England.

Das Gespräch führte Patrick Heidmann

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