06/2021

In diesem Heft

Tipp

Der britische Serienmacher Russell T Davies (»Queer as Folk«) zeigt in »It's a Sin«, wie Aids das Leben einer ganzen Generation veränderte – und wie ignorant die Gesellschaft damals damit umging. Ab 20. Juni auf Starzplay
Online, 17.–19. Juni – Der vom Haus des Dokumentarfilms veranstaltete Branchentreff Dokville lädt – notgedrungen virtuell – ins Kino Gloria in der Stuttgarter Innenstadt ein. Hier diskutieren geladene Experten vor Ort zum Thema der 17. Ausgabe: »Doku-Serien. Experimentell. Vielfältig.« Akkreditierte Online-User können die Veranstaltung am 17. und 18. Juni im Stream verfolgen und sich via Chat beteiligen. Am 19. Juni gibt es zusätzliche rein digitale Angebote.
Online, 15.–20. Juni – Eigentlich sollte die Filmauswahl schon im April über die Leinwand flackern, doch das Frauenfilmfestival hat seinen Termin frühzeitig in den Juni verlegt. Geplant ist eine hybride Veranstaltung an beiden Standorten. Das Festival will ausdrücklich nicht nur die Arbeit von Regisseurinnen, sondern auch die von anderen Berufsgruppen wie Kamerafrauen oder Filmmusikerinnen herausstellen.
Berlin, 9.–20. Juni – Der zweite Teil der Berlinale, nach dem Branchenevent im März, findet nun als Open-Air-Veranstaltung statt, an insgesamt 16 Veranstaltungsorten, darunter das Freiluftkino Friedrichshain und das Sommerkino Schloss Charlottenburg. Auf der Museumsinsel wird das Summer Special am 9. Juni feierlich eröffnet, und am 13. Juni findet die Preisverleihung der bereits im März von den offiziellen Jurys entschiedenen Preise statt.
Online, 6.–12. Juni – Das an Kinder gerichtete Festival in Gera und Erfurt verlegt sich in diesem Jahr auf Online und plant je nach Pandemielage ergänzende Veranstaltungen vor Ort. Die etablierten Wettbewerbsprogramme umfassen Lang- und Kurzfilme, dokumentarische Stoffe sowie Serien- und Unterhaltungsbeiträge. Zudem gesellt sich ein weiterer Wettbewerb hinzu, der sich speziell dem Geschichtenerzählen im Digitalen widmet und auch Videoclips, Apps und Spiele umfasst.
Online, 1.–7. Juni – Das Kurzfilmfestival unterscheidet in seinen drei Wettbewerben nicht zwischen Gattungen, so dass Spiel-, Dokumentar- oder Animationsfilm miteinander konkurrieren können. In der Sektion »Labor der Gegenwart« widmet sich das Festival zudem thematischen Schwerpunkten, etwa mit der Präsentation des kontemporären afrikanischen Kurzfilmschaffens.
Linz, 1.–6. Juni – Das Festival in Österreichs drittgrößter Stadt Linz widmet sich dem europäischen Autorenkino. In diesem Jahr umfasst das als Präsenzveranstaltung geplante Event 120 Spielund Dokumentarfilme, darunter Österreichpremieren und Highlights der Festivalsaison. Auch der regionalen Filmszene widmen die Linzer eine eigene Sektion. Zusätzlich sind für das österreichische Publikum ab 6. Juni einen Monat lang zehn Langfilme via Stream verfügbar.
Online, 1.–6. Juni – Mit 80 Filmen, fünf davon Weltpremieren, lockt das japanische Filmfestival Nippon Connection in seiner 21. Ausgabe vor die heimischen Bildschirme. Neben den Filmen und Filmgesprächen verlagert das Festival auch sein Rahmenprogramm ins Netz, mit mehr als 40 interaktiven Veranstaltungen. Die Filmsektionen bieten neue Filme von Miwa Nishikawa, Koji Fukada, SABU oder Sion Sono. Eines der Themen des Dokumentarfilmprogramms ist im Jahr der Olympischen Sommerspiele in Tokio die Welt des Sports.
Ein Faible für Schwarz-Weiß: Mit »Cruella« gibt Disney einer der beliebtesten Schurkinnen der Animationsfilmgeschichte eine Origin-Story. Ab 28. Mai als VIP-Abruf auf Disney+
Er hat Jackies Kennedys Pillbox-Hut kreiert: Mit »Halston« bekommt Amerikas ikonischster Couturier sein von Ryan Murphy produziertes Biopic
Shane Meadows verarbeitet in der Miniserie »The Virtues« ein weiteres Mal Dinge, die er selbst erlebt hat. In der arte-Mediathek verfügbar
In Tschetschenien werden LGBTQ-Personen verfolgt und gefoltert – ein international weithin ignoriertes Verbrechen. David Frances Dokumentarfilm »Achtung Lebensgefahr! – LGBT in Tschetschenien« begleitet die mutigen Rettungsaktionen von Aktivist*innen
Depression, wie sie sein soll: Nora Tschirner redet in der surrealen Sitcom »The Mopes« einem Musiker eine Anpassungsstörung ein
In »Maroni – Im Reich der Schatten« gerät die Polizistin Chloé Bresson wie im Vorgänger »Maroni – Die Geister des Flusses« in neue Verbrechen zwischen Diesseits und Jenseits
Viel Dampf: »Shadow and Bone« ist eine unterhaltsame und eskapistische Steampunk-Wundertüte
Mit der Miniserie »The Underground Railroad« gelingt Barry Jenkins eine wunderbare filmische Umsetzung des mehrfach preisgekrönten Romans von Colson Whitehead
Die Umwelt- und Verbraucherschützerin Erin Brockovich war die Inspiration für die Serie »Rebel«, in der die frühen Jahre der Anwältin in ein sehr herkömmliches Serienformat gepresst werden
In Alexandre Ajas »Oxygen« findet sich Mélanie Laurent als Frau ohne Gedächtnis in einer Kapsel im Weltraum wieder
Zack Snyders »Army of the Dead« revolutioniert zwar das Genre nicht gerade, hat aber sichtlich Spaß beim Variieren einschlägiger Zombiemythen
Science-Fiction und Theater finden im prominent besetzten Amazon-Projekt »Solos« auf originelle Weise zusammen
In ihrem Independent-Festivalhit »Shiva Baby« verblüfft Debütregisseurin Emma Seligman mit einer ziemlich ausgebufften Komödie über eine junge Studentin, deren Lebenslügen auf einer Trauerfeier in sich zusammenfallen
Vier Freundinnen zwischen Liebe, Leben und Beruf in New York: »Run the World« will das neue schwarze »Sex and the City« sein
Die französische Erfolgsserie »Büro der Legenden« bezieht ihre Spannung weniger durch laute Action als durch die realistische Betrachtung des Büroalltags von Geheimdienstlern
Mit Pablo Larraín als Regisseur hat Stephen King mit »Lisey's Story« den Roman adaptiert, den er selbst als seinen besten bezeichnet – eine dunkle Fantasie darüber, was nach dem Tod eines Autors geschehen könnte
Künstliche Intelligenz will auch gelernt sein. Aus der Beziehung zwischen Mensch und Android macht Maria Schrader (»Unorthodox«, »Vor der Morgenröte«) eine charmante Beziehungskomödie [Kinostart verschoben auf den 1.Juli]
Die BBC-Komödie »Detectorists« hat längst Kultstatus. Arte zeigt die Serie noch einmal in voller Länge
Beim Filmen einer Doku über Skater kamen Bettina Perut und Iván Osnovikoff in »Los Reyes« zwei Streunerhunde in die Quere – für den Zuschauer zum Glück. Ab 8. Juli im Kino und als Stream auf kino-on-demand.com
»The Flight Attendant« trifft die perfekte Balance zwischen leichtherziger Comedy und fesselndem Krimi
Exploitation Movies im Heimkino: »Jesus Shows You The Way To The Highway« von Miguel Llansó und »Mann im Spagat« von Timo Jacobs
Als das Kino von der Revolution erzählte: »Viva Zapata!«, »Animal Farm«, »Walker«, »Under Fire« und »Queimada« auf DVD
DVD-Premiere: »A Beautiful Day in the Neighborhood« mit Tom Hanks in der Hauptrolle
Bewährtes erhalten, neues erproben: Die Filmjahrbücher »Filmjahr 2020/2021« und »Cinema. Das Schweizer Filmjahrbuch«
»Being John Malkovich«, »Adaptation«, Eternal Sunshine of the Spotless Mind«: Charlie Kaufmans Dreh­bücher sind legendär. Jetzt hat der Autor und Regisseur einen Roman geschrieben
Wie die Bundesrepublik mit dem Nazifilmerbe umging. Die Diskursgeschichte der nach 1945 verbotenen NS-Filme
Doch noch erschienen: Der Verbotsfilm »Fräulein Schmetterling« (1966)
Arte blickt im Juni-Juli-Programm zurück auf die Wettbewerbe des Filmfestivals von Cannes. Mit Porträts von Regisseuren und Filmbeispielen wird eine Kinogeschichte in Ausschnitten präsentiert, die unter anderem dazu einlädt, frühere Auffassungen zu revidieren
Bild für Bild: Die DVD-Premiere von »Phil Tippett – Meister der fantastischen Kreaturen«
Der Mann in seinem Leben: Ein eigenwilliges Erinnerungsbuch von Matthew McConaughey
Komplett, frisch restauriert und neu synchronisiert: Eine Blu-ray-Box lädt zum Wiedersehen mit dem legendären Komiker-Sextett »Monty Python's Flying Circus« ein
69 Fälle hat Peter Falk als höflicher, zerknautschter Fernsehdetektiv gelöst. Patrick Lohmeier arbeitet sie alle nach. Ein Standardwerk
Tödliche Rache: Der Stummfilm »Opium« (1919) auf DVD in der Edition Filmmuseum

Thema

Er inspirierte junge Leute, sich für den Umweltschutz zu engagieren, und stellt die Natives ins Zentrum: John Boormans Film von 1985
Wir freuen uns auf Premieren in den wiedereröffneten Häusern. Aber wenn wir uns sonst noch was wünschen dürften... Unsere Autoren über Filme der 2000er, die sie gern wieder auf der großen Leinwand sehen würden
In »Proxima« ist Eva Green als Astronautin und Mutter zu sehen – das ist fast schon ein konventionellerer Part in ihrer Filmografie, die von Bertoluccis Metafilm »Die Träumer« bis zu Fantasy und Horror reicht
Wie die Androiden sich emanzipierten, Gefühle bekamen und beziehungsfähig wurden. Von »Star Trek« bis zu Maria Schraders aktuellem Film »Ich bin dein Mensch«
Es hatte alles: mitreißende Action, große Romanzen, glühende Farben und einen Hauch von Zen. Jetzt muss sich das Hongkong-Kino mit Festlandchina auseinandersetzen

Meldung

Ergreifend: Die 67. Kurzfilmtage Oberhausen reflektieren die Pandemieerfahrung und zeigen politisches ­Bewusstsein
Doch wieder digital: Das 14. Lichter Filmfest Frankfurt International zeigte eine gelungene Auswahl regionaler und überregionaler Werke, der Kongress »Zukunft deutscher Film« musste verschoben werden
Das Wiesbadener goEast-Festival zeigte wieder einmal: Das Kino des Ostens erzählt andere Geschichten als Hollywood, Netflix oder auch der Independent- und der Arthousefilm
Ramon Zürcher, 38, Regisseur, landete mit seinem Langfilmdebüt »Das merkwürdige Kätzchen« einen Arthouse-Hit. Der Schweizer arbeitet mit seinem Bruder Silvan zusammen. »Das Mädchen und die Spinne«, der neue Film der beiden, ist im Berlinale-Programm und soll demnächst im Kino starten
Mutter Courage und ihre Sprüche: Olympia Dukakis, Schauspielerin, 20.6.1931 – 1.5.2021
»Kopf/Kino. Psychische Erkrankung und Film« hieß das Thema des 25. Internationalen Bremer Symposiums zum Film, das (nach der Absage  im letzten Jahr) komplett virtuell – mit bis zu 80 Teilnehmern! – stattfand
Beckett in New Hollywood: Monte Hellman (Regisseur, 12.7.1929 – 21.4.2021)

Filmkritik

Künstliche Intelligenz will auch gelernt sein. Aus der Beziehung zwischen Mensch und Android macht Maria Schrader (»Unorthodox«, »Vor der Morgenröte«) eine charmante Beziehungskomödie
Mit ihrem Regiedebüt betritt die britische Schauspielerin Emerald Fennell das umstrittene Terrain des Rape-and-Revenge-Genres. In Teilen pointiert und treffend, ist ihr Film sehr daran interessiert, das Publikum am Ende etwas oberlehrerhaft mit den eigenen, problematischen Erwartungshaltungen zu konfrontieren
Ute Adamczewski spürt in ihrem Essayfilm der Geschichte der wilden Konzentrationslager nach, die die Nationalsozialisten ab März 1933 in Sachsen eingerichtet haben, und zeigt zugleich wie das dort Geschehene in Vergessenheit geraten ist. Sie beschwört so ein fortwährendes Nebeneinander von Vergangenheit und Gegenwart herauf, das einen lehrt, die alltägliche Welt um einen herum mit offeneren Augen zu betrachten

Film