10/2019

In diesem Heft

Tipp

Bryan Cranston in der DVD-Premiere des Dramas von Robin Swicord
Leipzig, 28.10.–3.11. – Dokumentar- und Animationsfilme sind der Hauptfokus des Leipziger Filmfestivals, welches auf eine über 60-jährige Geschichte zurückblicken kann. Mit sechs Wettbewerbsreihen und zahlreichen Weltpremieren bietet die DOK Leipzig ein vielseitiges Programm und fördert darüber hinaus Nachwuchstalente der Branche.
Lübeck, 28.10.–3.11. – Seit 1956 finden die Filmtage in Lübeck statt; sie zählen zu den traditionsreichsten Filmfestivals weltweit. Als einziges Festival in Europa konzentrieren sich die Nordischen Filmtage ausschließlich auf Filme aus Skandinavien und dem Nordosten Europas. VR-Filme sowie nordische und baltische Serien sind ebenfalls auf dem Festival vertreten, auf dem schon die Debütwerke von Regisseuren wie Lasse Hallström und Bille August vorgestellt wurden.
Köln, 25.10.–28.10. – Zum 19. Mal findet das Festival für Filmschnitt und Montagekunst in diesem Jahr statt. Im Zentrum stehen hier die Editoren, die sich bei Panels, Vorträgen, Workshops und Diskussionen mit Interessierten und Branchenkollegen über die aktuellen Determinanten ihrer Arbeit austauschen. Darüber hinaus werden die besten Editoren-Leistungen mit den wichtigen Schnitt Preisen ausgezeichnet.
Hof, 22.10.–27.10. – Als eine der wichtigsten Plattformen für deutsche Nachwuchstalente gelten die Hofer Filmtage in Bayern. Insgesamt sind rund 130 Independent-Filme aus aller Welt im Programm vertreten und werden meistens von den Filmemachern persönlich vorgestellt.
Neubrandenburg, 15.10.–20.10. – Europäische Dokumentar-, Animations- und Experimentalfilme werden auf dem Festival in Neubrandenburg gezeigt. Dieses Jahr dreht sich alles um das Thema »Zukunft«, weshalb besonders junge Filmemacher und Nachwuchstalente zur Einreichung ihrer Werke gebeten werden. Ein eigenes Forum für den osteuropäischen Film ermöglicht das Aufeinandertreffen von ost- und westeuropäischen Filmschaffenden.
Mannheim, 11.10.–13.10. – Ein Mangel an Diversität in der Filmindustrie wurde schon lange kritisch betrachtet und wird nun auch im Cinema Quadrat unter dem Motto »R.E.S.P.E.C.T. – Perspektiven der Diversität« zum Thema. Fünf Vorträge, zwei Werkstattgespräche, sieben Filme und Diskussionsrunden bieten die Möglichkeit für einen intensiven Austausch über Gender-Gerechtigkeit, sexuelle Selbstbestimmung, Rassismus, LGBT-Filme und mehr.
Köln, 10.10.–17.10. – Top Ten TV, Best of Cinema, Look, Made in NRW und Special Screenings sind die Festivalreihen des Film Festivals in Köln, wo sich Akteure der Film- und Fernsehbranche aus aller Welt zusammenfinden und über aktuelle Trends diskutieren werden.
Chemnitz, 7.10.–13.10. – Ganz auf Kinder- und Jugendfilme hat sich das Festival SCHLINGEL spezialisiert, das seit 1996 stattfindet. In der Woche vor den sächsischen Herbstferien werden mehr als 230 Filme aus aller Welt gezeigt, 120 davon im Wettbewerb. Daneben wird es film- und medienpädagogische Angebote für Kinder- und Jugendeinrichtungen wie Kindergärten und Schulen geben.
Nürnberg, 2.10.–9.10. – In die 11. Runde geht das International Human Rights Film Festival in Kooperation mit dem KunstKulturQuartier der Stadt. 65 Filme aus 43 Ländern werden im Lauf der ersten Oktoberwoche gezeigt, wobei acht Deutschlandpremiere feiern. Regisseur Suhaib Gasmelbari eröffnet das Festival mit seinem Film »Talking About Trees«. Außerdem präsentiert Marlene Streeruwitz ihren neuen Roman.
Die Miniserie »The Loudest Voice« erzählt von Aufstieg und Fall des Roger Ailes, der mit dem Sender Fox News Geschichte geschrieben hat
Die französische Regisseurin Céline Sciamma hat mit ihrem Film die großen Themen der Moderne – individuelles Begehren, weibliche Emanzipation, bürgerliche Gleichheit – im Rahmen einer berührenden Liebesgeschichte in Szene gesetzt
Ryan Murphy wagt sich in seiner ersten Produktion für Netflix ins Feld der Politik vor: Sein »The Politician« kreist um einen ehrgeizigen Teenager, der seine erste Wahl gewinnen will
am So., den 13.10. in Frankfurt am Main – epd Film-Autor Ulrich Sonnenschein spricht mit Regisseur Tom Sommerlatte und Schauspielerin Karin Hanczewski über »Bruder Schwester Herz«

Thema

Unsere "steile These" des Monats Oktober
Zu Beginn seiner Karriere kümmerte er sich um einen Schäferhund, Kommissar Rex genannt, später spielte er Opportunisten und Patriarchen: In diesem Monat brilliert der österreichische Schauspieler Tobias Moretti in der Siegfried-Lenz-Verfilmung »Deutschstunde«
Mit »Parasite« hat der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho in Cannes die Goldene Palme gewonnen. Der Film um eine arme Familie, die einen Villenhaushalt unterwandert, ist der vorläufige Höhepunkt eines Werks, das die Welt aus der Perspektive der Erniedrigten und Beleidigten betrachtet
Der Joker ist auf Solotour. Aber es gibt noch andere Schurken, die einen eigenen Film verdient hätten: Nurse Ratched zum Beispiel, Frank Booth, Hans Gruber ...
»Zwischen uns die Mauer« handelt von der Liebe einer Westdeutschen zu einem DDR-Bürger. Es ist der aktuellste von vielen deutschen Filmen, die sich mit dem Fall der Mauer vor dreißig Jahren beschäftigen

Meldung

Drei Herren beim Kaffee. Sie lächeln freundlich in die Kamera, aber es ist ein Bild mit Sprengkraft. Der eine ist der Frankfurter PR-Berater Moritz Hunzinger, der zuletzt mit rassistischen Äußerungen auf sich aufmerksam machte (»Wilde«), der andere der AfD-Sprecher Jörg Meuthen, und entspannt mittendrin: der Chef der hessischen Filmförderung, Hans Joachim Mendig
Wird der diesjährige Publikumsliebling wieder das Rennen beim Oscar machen? Wird Renée Zellweger eine Nominierung kriegen? Dies und andere Spekulationen vom diesjährigen Filmfestival in Toronto

Filmkritik

Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett inszenieren einen gelungenen Genrebeitrag, bei dem aber, wenn er denn in seinen satirischen Elementen ähnlich viel Biss hätte wie seine großartige Hauptdarstellerin, noch mehr möglich gewesen wäre
Tim Trachtes ambitionierter Versuch, den Bestseller von Jessica Koch als tragische Liebesgeschichte auf die große Leinwand zu bringen, überzeugt nur in Ansätzen
Maryam Zaree wurde 1983 im berüchtigten Gefängnis von Evin im Iran geboren. In ihrem Debütfilm »Born in Evin« macht sich die Schauspielerin auf Spurensuche. Was holprig beginnt, entwickelt sich zu einem sehr persönlichen Film gegen die Verdrängung
Alice Tulli montiert Szenen des alltäglichen Sexismus in Italien zu einem sehenswerten, doch argumentativ eher unausgegorenen Panorama der Groteske: »Normal«
In einer Universität wird zum Klimawandel geforscht, während ein Professor Verhaltensexperimente in der Mensa durchführt und eine Unternehmensberaterin auf eine Evaluation vorbereitet. Max Linz' etwas schablonenhafte Wissenschaftssatire »Weitermachen Sanssouci« überzeugt nur in wenigen Szenen
Zwei liebenswerte Trottel müssen viel Geld auftreiben, um Spielschulden zu begleichen und starten dafür eine skurrile Entführungsaktion. Erkan Acar will in der Buddy-Gangster-Komödie viel und schafft am Ende nur eine belanglos-alberne Klamotte
Innovativ inszenierter Debütfilm über die Verdrängung der seefahrenden Arbeiterklasse in Cornwall. Auf schwarz-weißem 16-mm-Film gedreht, erzeugt der Film »Bait« meisterhaft eine schroffe, authentische Atmosphäre
Ein kurzweiliger Film für alle, die sich für optische Täuschungen begeistern, die böse Zungen möglicherweise als Formenkitsch bezeichnen würden
Die esoterisch angehauchte Tragikomödie über das Schicksal eines Hundes und seines Herrchens, eines Familienvaters und Rennfahrers, besticht durch ein Understatement, mit dem die ärgsten Kitschfallen vermieden werden
Ein junger Mann mit Angststörung: Georg Schmidinger lässt in seinem intensiven Debüt »Nevrland« den Zuschauer die emotionalen Extremzustände seines Helden miterleben
Die Sozialkomödie über obdachlose Frauen und ihre Betreuerinnen ist ein semidokumentarischer Feelgood-Film, in dem Engagement, Witz und Utopie gleichermaßen zu ihrem Recht kommen: »Der Glanz der Unsichtbaren«
Im ersten Eindruck ist sie gewöhnungsbedürftig, diese Schlagerseligkeit und Traumschiffgeschäftigkeit, doch dann ergibt man sich gerne dem Schwung der Choreografien und dem Überschwang der Gefühle. Die Einzelnummern des erfolgreichen Udo Jürgens-Musicals hat Philipp Stölzl in den Fluß einer Geschichte gebracht und lustvoll mit dem bunten Glanz eines Hollywood-Musicals versetzt
Gabrielle Bradys Dokumentation über die Verhältnisse auf der Weihnachtsinsel verknüpft Privates und Politisches und legt dabei eklatante Widersprüche der Flüchtlingspolitik Australiens offen
Die Verfilmung der wahren Geschichte eines amerikanischen Neonazi-Aussteigers mischt Realismus mit Thrillermomenten, Liebesutopie und einem humanistischen Appell: »Skin«
Eine verknöcherte Chorleiterin verfällt einem rotzfrechen Flüchtling, weil er engelsgleich singen kann. »Zoros Solo« ist ein Film, der zwischen Märchen und Einwanderer-Drama nicht vollständig die Balance verliert
Gut gespielt genügt nicht: Das exzellent besetzte Drama über eine Idealistin, die an einen moralischen Scheideweg kommt, krankt an einer emotionslosen Inszenierung und einem überkonstruierten Drehbuch
Haihorror der minimalistischen Sorte: Vier Teenager gehen in einer versunkenen Mayastadt auf Tauchgang und drohen zu Fischfutter zu werden. Abgesehen vom faszinierenden Schauplatz und etwas grimmigem Humor ist »47 Meters Down: Uncaged« eine eher dröge Angelegenheit, allzu unglaubwürdig und geschwätzig
Das Sequel zum Heimatkomödien-Erfolg »Eine ganz heiße Nummer« bleibt weit hinter den Erwartungen zurück
Die verwitwete Polizistin Yvonne (Adèle Haenel) stellt fest, dass ihr Mann nicht der heldenhafte Gesetzeshüter war, für den ihn alle Welt hielt. Ihre Wiedergutmachungsversuche inszeniert Pierre Salvadori mit klugem Irrwitz
Drei Kurzgeschichten von Hakan Nesser als Trilogie verkauft: nach »Tod eines Autors« folgen jetzt »Samaria« und »In Liebe Agnes«. Die pseudoraffinierte Rückblendenstruktur der Geschichten über Schuld und Rache kann nicht über die biedere und steife Inszenierung hinwegtäuschen
Doku um vier Gedächtnis-Sportler im Ringen um die Weltmeisterschaft, die von größerem Interesse wohl nur für andere Leistungssportler selbst sein dürfte
Ein raffinierter Thriller, der diverse Register zwischen Komödie und Katastrophenfilm zieht. Das verhängnisvolle Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Familien ist zugleich lesbar als Miniatur der südkoreanischen Gesellschaft
Todd Phillips beraubt den Superheldenstoff der Genre-Elemente und verhilft dem DC-Antagonisten »Joker« zu einer »origin story« aus dem zwischen Neoliberalismus und Populismus zerrissenen Amerika
In einer berückenden Mischung aus Porträt und dokumentarischer Poesie erkundet der deutsche Filmemacher Rainer Komers das Wüstenkaff Barstow – auf den Spuren und mit autobiographischen Texten des Dichters »Spoon« Jackson, der dort aufwuchs, bis er wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde
Jede Menge Thesen, Töne und Talking Heads bietet Justin Pembertons Filmessay zu Thomas Piketty; amüsant, aber letztlich zu wenig stringent und auch zu unkritisch
Deutscher Gegenwarts-Western im unbekannten Osten. Die Geschichte einer unmöglichen Liebe zwischen zwei Geschwistern spiegelt die Lebensrealität in Brandenburg. So können sich Unterhaltung und Niveau treffen: »Bruder Schwester Herz«
Dokumentarfilm, der jeweils einem jungen Kandidaten aller sechs großen Parteien bei ihrem Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 in Rheinland-Pfalz folgt. »Die Kandidaten« ist handwerklich versiert, aber ohne besonderen Tiefgang
Werkgetreue Adaption von Siegfried Lenz' Bestseller. Während des Zweiten Weltkriegs ist ein elfjähriger Junge hin- und hergerissen zwischen seinem gestrengen Vater und einem weltoffenen Maler, den die Nazis mit einem Arbeitsverbot belegen. Christian Schwochow erzählt das in schweren, erdrückenden Bildern, aus denen jegliches Licht entwichen scheint
Ein Mädchen bringt mithilfe zweier Freunde einen Yeti zurück in seine Heimat am Mount Everest. Koproduktion zwischen Dreamworks und einem chinesischen Studio, die auf bewährte Themen setzt
Eine packende Romanvorlage, ein größtenteils ebenso überzeugendes wie prominentes Ensemble sowie elegante Bilder von Roger Deakins können nicht verhindern, dass die Bestselleradaption von John Crowley eine ziemlich blasse Angelegenheit ist
Anna und Philipp verlieben sich bei einem Treffen von west- und ostdeutschen Jugendgruppen; bald schon geraten ihre Gefühle unter die Räder eines völlig humorlosen Systems. Und leider auch in die Fänge eines total fantasielosen Films, der kein Klischee auslässt: »Zwischen uns die Mauer«
Ein atmosphärisch dicht erzählter Animationsfilm über die entscheidenden Proteste in Leipzig, die zum Umsturz des DDR Regimes führten. Mittendrin Fritzi, eine junges Mädchen, das sich intuitiv der Bürgerbewegung anschließt und damit der jungen Generation ein Gesicht gibt
Im vermeintlich letzten Teil der »Rambo«-Saga werden einige spannende Ideen und Ansätze leider zugunsten einer Befreiungs- und Rachegeschichte im »96 Hours«-Stil verschenkt. Spannend und spaßig ist es trotzdem
Trotz sympathischer Darsteller ist diese Romanadaption über zwei Unbekannte, die sich via Internet näher kommen, eine allzu lauwarme Angelegenheit, weil es ihrer Liebesgeschichte an dramatischer Fallhöhe mangelt
Eine risikoreiche Raumfahrtmission, die zugleich von einer Vatersuche erzählt, die mit dem Durchtrennen der Nabelschnur endet: James Grays erste Eskapade ins Science-Fiction-Genre ist ein intimes Epos, das spektakuläre Schauwerte und Seelenerforschung schillernd verknüpft. Bad Pitt spielt einnehmend den anfangs stressfreien Astronauten, der in der Weite des Alls nach Erkenntnis sucht. Tommy Lee Jones, Ruth Negga und Donald Sutherland leisten charismatische Unterstützung
In Downton Abbey kündigt sich 1927 royaler Besuch an und Herrschaften wie Gefolgschaft geraten in Aufruhr. Nahezu die komplette Besetzung der erfolgreichen Serie kehrt in dem Film zurück – allen voran die grandiose Maggie Smith. Es ist ein großer, wenn auch teils belangloser Spaß ihnen bei ihren Intrigen, Liebschaften und Nöten zuzusehen

Film