Kritik zu Ticket ins Paradies

© Universal Pictures

George Clooney und Julia Roberts versuchen sich an der Wiederbelebung des einst populären Genres der »Comedy of Remarriage«. Hier fliegen sie als geschiedenes Paar nach Bali, um die Tochter von einer überstürzten Hochzeit abzuhalten

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Mit George Clooney und Julia Roberts zum Kurztrip nach Bali: Was kann da schon schiefgehen? Auf den ersten Blick scheinen sie genau die richtigen zu sein, um das dahinmickernde Genre der Romcom wiederzubeleben. Ein Glücksgriff für einen Regisseur, der eine Geschichte erzählen will von zweien, die sich scheinbar hassen, in Wirklichkeit aber lieben, verkörpert von zwei Schauspielern, denen rasante Screwball-Zankereien lässig von den Lippen gehen. Zu schade, dass sich das Versprechen nicht wirklich einlöst.

Vor gut zwanzig Jahren war Steven Soderbergh der Erste, der das Potenzial der Paarung Clooney und Roberts erkannte. Auch in seinem Heist-Thriller »Ocean's Eleven« waren die beiden schon, so wie jetzt In »Ticket ins Paradies«, ein geschiedenes Ehepaar auf Remarriage-Kurs. Im Sequel »Ocean's Twelve« waren Danny und Tess Ocean dann schon wieder ein privat und geschäftlich perfekt aufeinander eingespieltes Paar. Dazwischen holte Clooney Roberts auch in sein Regiedebüt »Confessions of a Dangerous Mind«, und zuletzt waren sie in Jodie Fosters Thriller »Money Monster« gemeinsam zu sehen. Die beiden zugleich glamourösen und lässigen Stars verbindet also eine lange Geschichte; sie sind eng befreundet, und man spürt, dass sie sich miteinander wohlfühlen. Womöglich zu wohl? Jedenfalls wirkt der Champagner hier ein wenig schal, das Prickeln will sich nicht einstellen, alles wirkt ein wenig zu gewollt und konstruiert, selbst noch die vergnüglicheren Szenen beim ausgelassenen Trinkspielwettbewerb, in dem beide ihr berühmtes Lachen versprühen.

Zum Filmvorspann geben die geschiedenen Eltern David und Georgia eine Kostprobe ihrer in 25 Jahren gewachsenen Feindseligkeit. Im schnellen Abriss ihrer gemeinsamen Geschichte stilisiert er sich zum Helden, sie dagegen beschreibt ihn als hoffnungslosen Deppen. Zur Feier des Uni-Abschlusses ihrer Tochter haben beide den Wunsch, so weit wie möglich voneinander entfernt zu sitzen, werden aber schon im Flugzeug und dann auch im Auditorium direkt nebeneinander platziert. Als ihre Tochter (Kaitlyn Dever aus »Booksmart«) sich auf Bali überstürzt mit einem Algenfarmer verlobt und ihre vielversprechende Karriere als Anwältin sausen lassen will, beschließen sie, das Kriegsbeil eine Weile zu begraben, um diesen Plan gemeinsam zu sabotieren. Mit »Best Exotic Marigold Hotel« und »Mamma Mia! Here We Go Again« hat Regisseur Ol Parker sein Faible für Feelgood-Komödien vor exotischen Idyllen bereits bewiesen. Auch hier gefrieren romantische Buchten, malerische Algenfarmen und Palmenwälder vor glitzernd blauem Meer (gedreht wurde in Australien) zur Fototapetenschönheit. Nur wirken die »Zurück zu den wahren Werten der Natur«-Message und das Großfamilienglück vor allem kitschig und nie ganz authentisch. Und Georgias neuer Freund, ein junger französischer Pilot (Lucas Bravo), gefriert in seiner devoten Anbetung zum lachhaften Schönling. Eine Ahnung von dem Witz und dem Biss, den diese Komödie haben könnte, blitzt nur in den Outtakes im Nachspann auf.

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