Kritik zu Nordstrand

© Farbfilm Verleih

Florian Eichinger erzählt in seinem reduzierten Drama vom Wiedersehen zweier Brüder und den langen Schatten ihrer Kindheit

Bewertung: 2
Leserbewertung
2.25
2.3 (Stimmen: 4)

Einsam liegt das Haus an der Nordseeküste hinter den Dünen. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein, doch die Vergangenheit ist höchst lebendig. Der Film setzt sie in Rückblenden ins Bild, die direkt mit der Gegenwart verzahnt sind. So schaut einer der Protagonisten durch einen Türspalt und sieht Ereignisse seiner Kindheit, wird noch einmal Zeuge, wie sein kleiner Bruder den Gewaltausbrüchen des Vaters ausgesetzt ist.

Marten, der ältere, hat nie verwunden, dass er Volker damals nicht beistand, dass er zu viel Angst hatte einzugreifen. Volker aber, der unmittelbar Leidtragende des cholerischen Vaters, behauptet, er habe mit der Vergangenheit abgeschlossen. So unterschiedlich wie ihr Umgang mit der gemeinsamen Kindheit sind auch ihre Motive, sich nach den vielen Jahren, in denen sie kaum Kontakt hatten, an diesem Ort wieder zu treffen: Marten möchte Volker dazu bewegen, gemeinsam die Mutter aus dem Gefängnis abzuholen, deren Haftstrafe für die Tötung des Vaters bald endet. Im Stillen hofft er auch, Volker möge ihm seine Schuld vergeben. Der verschlossene Volker dagegen scheint lediglich daran interessiert, das Haus zu verkaufen.

Bereits in seinem Erstling Bergfest beleuchtete Florian Eichinger in kammerspielartigem Rahmen die weitreichenden Auswirkungen familiärer Gewalt. Nordstrand ist nun der zweite Teil einer geplanten Trilogie über dieses Thema. Auch hier übt sich Eichinger in Reduktion: Die Konflikte zwischen den Brüdern, die sich fern und zugleich zutiefst miteinander verstrickt sind, entfalten sich ausschließlich im Haus und der kargen Umgebung aus Dünen und Meer. Nebenfiguren sind spärlich. Vom Leben der Brüder außerhalb dieser Szenerie erfahren wir kaum etwas.

Die immer wieder ineinander gespiegelten Konflikte der Protagonisten sind guter Stoff für ein intensives Drama. Leider findet aber die Ästhetik des Films nur selten die nötige Konzentration, die Abgründe spürbar zu machen.

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