Kritik zu Maria Mafiosi

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In ihrem Regiedebüt setzt die Schauspielerin Jule Ronstedt auf den Mix aus Bayernkrimi und Kulturclash-Komödie

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»Und ich dachte immer, Familie, das ist was Schönes«, sagt Maria Moosandl, als ihr gerade klar wird, dass es doch gewisse, unüberbrückbare Differenzen gibt, zwischen ihrer provinzbayerischen Polizistenfamilie und dem Anhang ihres italienischen Freundes Rocco aus dem lokalen Pizzarestaurant. Da ihre Liebe mächtiges Culture-Clash-Potential birgt, treffen sie sich vorerst noch heimlich in den Mittagspausen malerisch verspielt im Sonnenblumenfeld am Ortsrand. Da allerdings Marias Bauch zunehmend runder wird, und im Dorf heftig über den mysteriösen Erzeuger spekuliert wird, drängt die Zusammenführung der ungleichen Familien. Doch just in dem Moment, in dem sich Rocco endlich ein Herz fasst, konfrontiert ihn sein Vater, ein Provinzpate, der das Restaurant als Fassade für Drogengeschäfte nutzt und Kokain in riesigen Mortadella-Würsten vertickt, mit seinen Plänen für ein Ehearrangement: Nach dem Vorbild europäischer Königshäuser sollen volatile Geschäftsallianzen mit einer Braut aus der italienischen Heimat befriedet werden.

In ihrem Regiedebüt wandelt die Schauspielerin Jule Ronstedt (»Wer früher stirbt ist länger tot«) auf den eher ausgetretenen Pfaden der bayerischen Krimikomödien um den jungen Provinzermittler Franz Eberhofer, die mit lokalpatriotischen Titeln wie »Dampfnudelblues«, »Winterkartoffelknödel« oder »Schweinskopf al dente« eine recht geräumige Nische bedienen. Aus diesem Universum hat sie für ihr eigenes Projekt auch Lisa Maria Potthoff importiert, die dort die Freundin des Ermittlers spielt. Als Maria Mafiosi kommt sie jetzt selber zum Einsatz und entwickelt mit einer Mischung aus stirnrunzelnder Verwunderung, gewitzter Bauernschläue und erdigem Pragmatismus als Einzige lebensechte Wahrhaftigkeit und echten Charme, während der Rest des Ensembles nur Klischeebilder wie den chauvinistischen Mafioso, die italienische Mamma, den treudoofen Verehrer, die schrullige Alte, die prollige Zweitehefrau, den korrupten Bürgermeister bedient.

Aus der Odelgrube wird die Leiche eines unbekannten Mannes südländischer Abstammung geborgen. Während sonst jeder im Dorf irgendeinen Grund hat, die wahren Zusammenhänge zu verschleiern, geht Maria die Aufklärung des Mordes mit argloser Beharrlichkeit an. Selbst als immer mehr Indizien zu Roccos Familie weisen, lässt sie nicht locker, was dadurch erleichtert wird, dass der glücklicherweise ein bisschen aus der Art geschlagen ist: »Ich glaube nicht an Mord und Totschlag. Man kann mit den Leuten auch mal reden.« Entsprechend pragmatisch und anpackend geht Maria mit den frappierenden Erkenntnissen ihrer Ermittlungen um. Überhaupt lässt sie sich im Kampf um den Vater ihres ungeborenen Kindes eher vom Herzen leiten als von den Gesetzbüchern und nutzt ihre polizeiliche Autorität auch mal, um die aus dem Süden angereiste Braut ihres Geliebten in einer Verkehrskontrolle abzufangen. Dabei setzt Jule Ronstedt weniger auf die Spannung des Krimis als auf die harmlos beschwingte Komik im Kampf der Geschlechter und Kulturen, die vom albernen Anfang über einen recht betulichen Mittelteil zum fast schon furiosen Finale führt.

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