Kritik zu Lola auf der Erbse

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Thomas Heinemann hat das Kinderbuch von Annette Mierswa verfilmt, in dem eine wichtige Geschichte über Freundschaft, Familie und Akzeptanz erzählt wird

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3 (Stimmen: 1)

Lola vermisst ihren Vater, der sich eines Tages überraschend aus dem Staub gemacht hat. Sie wird sich erst wieder den Hals waschen, wenn er zurückkehrt. Nah beim Ohr bewahrt sie nämlich seinen letzten Kuss auf. Zum Friseur geht sie auch nicht mehr. Die Kinder ihrer Klasse finden das mehr als merkwürdig, noch dazu lebt Lola sehr unkonventionell mit ihrer Mutter Loretta (Christiane Paul) auf dem verwunschenen Hausboot namens »Erbse«. Lolas einziger Freund wird Rebin, ein kurdischer Junge, der sich illegal mit seiner Familie in Deutschland aufhält und neu in der Klasse ist.

Thomas Heinemann (Vorne ist verdammt weit weg, 2007) hat diese kleine Geschichte mit sehr viel Herz und Humor inszeniert. Die Herangehensweise an den Dreh war eher ungewöhnlich, da er für seine Kinderdarsteller nicht unzählige Castingrunden veranstaltet hat, sondern einfach die talentiertesten aus der Gegend um Marktsteft am Main wählte, wo der Film gedreht wurde. Ein Konzept, das aufging, vor allem Tabea Hansteins Lola ist absolut glaubwürdig in ihrer Rolle der mal traurigen, dann wieder bockigen oder nachdenklichen Lola. Sie sitzt regelmäßig vor einem Rettungsring und kommentiert den Gang der Ereignisse, um die Zuschauer an ihren Gedanken teilhaben zu lassen. Lolas direkte Anrede setzt geschickt Zäsuren und gibt den Rhythmus des Films vor, dessen Kosmos sich innerhalb des kleinen Ortes bewegt, zwischen Schule, Hausboot und Rebins Kellerversteck.

In diesem Örtchen versuchen die konservativen, auf Ordnung bedachten Einwohner, die Regeln aufzustellen. Allen voran der rundliche Hafenmeister, dem die »Erbse« mitsamt ihrer Bewohnerinnen ein Dorn im Auge ist. Allen Gesetzen zum Trotz, lässt er aber trotzdem Rebins Vater heimlich für sich arbeiten. Dem spießigen Lebenskonzept stehen Lola, Loretta, ein alter Seebär und die toughe Lehrerin mit frischer Lebenslust und interkultureller Offenheit entgegen.

Die humorvolle Zeichnung der Figuren bewahrt die Inszenierung davor, in klassische Klischees à la Gut gegen Böse abzudriften. Wenn die betagte Lehrerin den Hafenmeister und ehemaligen Schüler mit »Sechs. Setzen!« zurechtweist und der wie ein Schuljunge der Anweisung folgt, ist das sehr amüsant. Der Polizeioberwachtmeister wird dabei gleich in Mithaftung genommen.

Richtig Drive nimmt der Film aber mit seiner mitreißenden Musik von Frankie Chinasky auf, der es schließlich gelingt, ein dröges Volksfest und Lolas Geburtstagsparty (die sie mit Rebins Familie feiert) zu einem fröhlichen Sommerfest zu vereinen. Damit sind noch nicht alle Probleme gelöst, aber man befindet sich auf dem besten Weg in eine gemeinsame Zukunft. Dort wird Lola dann auch ihren Vater treffen, aber zunächst mal muss sie sich um ihren Freund Rebin kümmern, das verrät sie uns zumindest in ihrem letzten Statement.

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