Kritik zu KitKatClub – Kinks of Berlin

© Farbfilm Verleih

2025
Original-Titel: 
KitKatClub – Kinks of Berlin
Filmstart in Deutschland: 
10.09.2026
L: 
96 Min
FSK: 
18

Philipp Fussenegger porträtiert den Berliner KitKatClub und seine Stammgäste in betörenden Schwarz-Weiß-Bildern. Sein Film feiert sexuelle Freiheit und urbane Exzesse, bleibt gegenüber den Abgründen des hedonistischen Lebensstils aber zu unkritisch.

Bewertung: 3
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Der Berliner KitKatClub ist in den vergangenen Jahren zum Aushängeschild eines freizügigen urbanen Lebensstils geworden. Für viele gehört der Besuch einer Sexparty in dem Fetisch- und Technoclub inzwischen zum Berlin- Trip. Der Teaches of Peaches-Regisseur Philipp Fussenegger nähert sich in seinem neuen Film dem Phänomen KitKat anhand der Menschen, die den Club mit Leben füllen. Da wäre zum Beispiel Tim, der als Raven Van Krueger auf eine erfolgreiche Karriere als Drag-Künstler hofft, oder das BDSM-Paar Vici und Marvin. Sie und andere Stammgäste erscheinen als sympathische Freigeister zwischen Alltag und sexueller Extravaganz, zwischen Arbeitsamt und Anpinkel-Porno.

Fusseneggers Bilder sind explizit – sie zeigen Live-Sex und die Vorbereitung eines Penispiercings –, aber weder vulgär noch voyeuristisch. Alles ist in einem stilvollen Schwarz-Weiß gehalten und die Bildgestaltung von minimalistischer Klarheit. Das audiovisuelle Highlight des Films sind die Sequenzen aus dem KitKat selbst. Die rhythmische Montage feiernder Partygäste beim Sex und Drogenkonsum lässt den Club zum pulsierenden Neuzeit-Rom werden. Wenn dann noch Stroboskop dazukommt, erinnert der Film sogar an Gaspar Noés Climax. Allgemein sind diese Aufnahmen etwas Besonderes, schließlich gilt im Club ansonsten eine strikte »Keine Fotos und Videos«-Policy.

Der Film handelt aber auch vom Kater danach. Nach einer besonders exzessiven Nacht sehen wir Tim über seiner Toilette erbrechen. Wenig später erfährt er, dass er Hausverbot im KitKat hat: Offenbar hat er es übertrieben. Einen Toten im Club will die Leitung auf keinen Fall riskieren. David wiederum erkennt nach Jahren der Dauerparty im Kitty, dass er ein ernsthaftes Drogenproblem hat und die Notbremse ziehen muss, wenn es sich für ihn nicht dauerhaft ausgeravt haben soll. Fusseneggers Film ist hier unmissverständlich: Im Berliner Großstadtdschungel zwischen KitKat-Besuch und privater Sex- und Drogenorgie kann man sich schnell unwiderruflich verlieren.

Doch erscheinen diese Schattenseiten des KitKat-Lifestyles immer nur als Individualschicksale. Dass dessen sexuelle Utopie auch am Systemischen scheitert, zeigt sich zum Beispiel im Streit zwischen KitKat- Gründer Simon und seiner Freundin. Denn hier offenbart sich Simon als Macho der alten Schule, der sich immer nur von seinen Partnerinnen aushalten lässt, dies aber gerne als hedonistischen Lebensstil tarnt. Im Großen und Ganzen zeichnet der Film ein eher unkritisches Bild des Clubs – als Hohetempel des Hedonismus. Die Vorwürfe einer Vergewaltigung im Club, über die erst letztes Jahr in verschiedenen Medien berichtet wurde, bleiben genauso unerwähnt wie eine taz-Recherche von 2024, der zufolge mehrere Sicherheitsmitarbeiter des KitKats enge Verbindungen in die rechtsextreme Szene und das Hooligan-Milieu haben sollen. Was bleibt, ist ein visuell betörendes Porträt von Menschen, die die Freiheit feiern, sie selbst sein zu können. Die Abgründe und Begrenzungen dieser Freiheit bildet der Film allerdings nur vereinzelt ab.

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