Kritik zu God Man Dog

- kein Trailer -

2007
Original-Titel: 
Liu lang shen gao ren
Filmstart in Deutschland: 
30.04.2009
L: 
119 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Depression, Alkoholismus und die Heilsversprechen der Religionen: Singing Chen zurrt in ihrem zweiten Spielfilm große Themen in vier Lebensgeschichten zusammen

Bewertung: 3
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Die Sinnkrise der Gutsituierten, die sozialen Probleme der taiwanesischen Urbevölkerung und die subversive Überlebenskunst der Geschundenen mit zwei oder auch mit vier Beinen: Es geht um Gott und die Welt, verzweifelte Menschen und streunende Hunde und die Macht des Zufalls, eine Verbindung, die schon im Titel aller thematischen Schwere zum Trotz eine nonchalente Leichtigkeit entwickelt.

Da wäre also das junge Paar in besten Verhältnissen, das Handmodel Ching (gespielt von der taiwanesischen Popsängerin Tarcy Su) und ihr Mann, der Architekt Xiong, die spätestens nach dem Kindstod ihres Neugeborenen gegen die schleichende Entfremdung in ihrer Beziehung ankämpfen. Yellow Bull (gespielt von Jack Kao, der sich als Mobster vor allem in den Filmen von Hou Hsiao Hsien in einem ganz anderen Rollenfach einen Namen gemacht hat) legt hier eine verschmitzte Komik an den Tag. Er hat eine veraltete Beinprothese und die mysteriöse Gabe, ausgesetzte Buddhastatuen aufzuspüren, die er in seinen glitzernden und blinkenden Laster lädt wie sonst Hundefänger die streunenden Tiere. Der zur taiwanesischen Urbevölkerung gehörende Biung, ein Schnitzer, stellt den Zusammenhalt seiner Familie durch seine Alkoholsucht unablässig auf die Probe. Seine Tochter Savi hat er damit schon aus dem Haus getrieben, ins ferne Taipeh, wo sie mit einer Freundin zwischen Kickboxing und Callgirl-Betrügereien schlingert. Der ewig hungrige Straßenjunge Xian schlägt sich als Schwarzfahrer und Fresskünstler bei Wettbewerben durch. Und ein entlaufener Rassehund entdeckt bei seinen streunenden Kollegen von der Straße ein ganz neues Lebensgefühl.

Ähnlich wie in den Filmen von Alejandro Gonzáles Innáritu werden die Schicksalsfäden dieser illustren Gesellschaft auch hier durch einen Unfall miteinander verschlungen, doch ganz anders als der südamerikanische Regisseur bringt die Asiatin Singing Chen die Verhältnisse zum Tanzen. Die Wucht des Zusammenpralls führt sie über in eine luftige Choreographie zufälliger Begegnungen, die bisweilen auch surreale Absurdität entwickeln, wenn beispielsweise Yellow Bulls Laster, der mit seinen blinkenden Neonleuchten wie eine Las-Vegas-Jahrmarktsattraktion wirkt, mit leerem Tank mitten in der Naturidylle strandet.

Die Art, wie Chen verschiedene Lebenslinien ineinanderfließen lässt, erinnert an Robert Altmans Ensemblefilme. Obwohl ihre unaufgeregt ruhige Erzählweise spürbar von ihren taiwanesischen Vorbildern Hou Hsiao Hsien und Edward Yang inspiriert ist, findet sie immer wieder eine eigenwillig frische und amüsant beschwingte Art, das moderne taiwanesische Lebensgefühl einzufangen. Aus dem Aufeinandertreffen der Gegensätze von Stadt und Land, von geldorientiertem Materialismus und sehnsuchtsvoller Spiritualität entsteht ein in vielen Farben getupftes Mosaik des modernen Lebens, in dem das Absurde immer wieder auch eine beschwingt subversive Komik entwickelt.

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