Kritik zu Ghost in the Shell

© Paramount Pictures

Im Live-Action-Remake des japanischen Kult-Anime beschreitet Regisseur Rupert Sanders (»Snow White and the Huntsman«) eher konventionelle Wege

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Bereits kurz nach Bekanntgabe der Besetzung von Scarlett Johansson als Protagonistin »Major« ging eine Welle der Kritik auf das US-Remake des japanischen Kult-Animes »Ghost in the Shell« nieder. Der Vorwurf: »white washing«, also westliche Appropriation einer ursprünglich nicht-weißen Figur. Man mag zu diesen Vorwürfen stehen, wie man will; zugegeben werden muss aber, dass Johansson sich mit ihren Auftritten als Superfrau in Filmen wie Luc Bessons »Lucy« als hervorragende Wahl für die zentrale Rolle der Androidin mit menschlichem Bewusstsein etabliert hat. Wie also gelingt die Übersetzung eines über zwanzig Jahre alten Zeichentrickfilms ins CGI-Gegenwartskino? 

Zuerst fällt der Soundtrack auf: Die fremden Klänge (eine Mischung aus traditionellen japanischen Gesängen und perkussiver Elektronik), die elementar zur entrückten Stimmung des originalen Animationfilms beitrugen, wurden im aktuellen Remake ersetzt. An ihre Stelle ist ein flirrender Synthie-Score im 80er-Jahre-Stil getreten, wie man ihn derzeit in vielen Sci-Fi-Filmen hören kann. Erst im Abspann kommt man in den Genuss des Originalsoundtracks. Dieser auditive Ersteindruck passt ins Gesamtbild: Ohne Zweifel wurde für die neue Version Einiges an westliche Genrestandards angepasst. Wo der Film von 1995 auch heute noch eine elliptische Mystik ausstrahlt, werden im Remake von Regisseur Rupert Sanders (»Snow White and the Huntsman«) erzähltechnisch deutlich konventionellere Wege beschritten.

Major ist Teil einer geheimen Elitetruppe der Regierung, die mit der Eliminierung von Hackern betraut ist; in einer Welt, in der beinahe alle Menschen bereits teilweise maschinell sublimiert und digital verbunden sind, ist diese Aufgabe von entsprechend großer Bedeutung. Auf der Suche nach dem mysteriösen Superhacker Kuze (Michael Pitt) beginnt Major langsam auch ihre eigene hybride Natur infrage zu stellen: Was geschah vor der Transplantation ihres Bewusstseins, ihres sogenannten »Ghosts«, in den künstlichen Körper? Diese Sinnsuche, die sich im animierten Original in kleinen Gesten und Dialogen ausdrückte, wird hier emotional reichlich aufgeblasen. Major trifft schließlich gar auf ihre biologische Mutter – ein melodramatisches Element, das zur kühlen Optik des Films nicht so recht passen will.

Von dieser inhaltlichen Ebene einmal abgesehen, setzt »Ghost in the Shell« visuell beeindruckende neue Impulse im Science-Fiction-Genre. Vor allem die Architektur der futuristischen Stadt New Port City ist schlicht überwältigend: Das Produktionsdesign der von gigantischen Neonreklamen gezeichneten Skyline und der engen, verrauchten Gassen geht über die offensichtlichen »Blade Runner«-Anleihen hinaus und erzeugt eine ganz eigene, faszinierende Welt. Ebenso gelungen sind die zentralen Action­sequenzen, die sich teilweise Bild für Bild ans animierte Original halten. Dessen narrative Kühnheit geht Sanders' Neuverfilmung zwar ab, ein hochgradig unterhaltsamer Beitrag zum Sci-Fi-Subgenre des Transhumanismus ist ihm dennoch gelungen.

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