Kritik zu Geniale Göttin – Die Geschichte von Hedy Lamarr

© NFP

2017
Original-Titel: 
Bombshell: The Hedy Lamarr Story
Filmstart in Deutschland: 
16.08.2018
V: 
L: 
90 Min
FSK: 
keine Beschränkung

In den 1930er Jahren galt sie als Sexgöttin, in der Zukunft aber wird man sie vor allem als Erfinderin der Vorläufertechnik zu Bluetooth kennen: die Österreicherin Hedy Kiesler, die als Hedy Lamarr Hollywood-Karriere machte

Bewertung: 4
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Ihre 1967 veröffentlichte Autobiografie trug den Titel »Ekstase und ich« und zementierte noch einmal das Bild von ihr als Sexgöttin (auch wenn sie schon damals verkündete, das Buch nur wegen des Geldes gemacht zu haben und sich unzufrieden mit der Arbeit des Ghostwriters zeigte). Zugegeben, mit dem 1933 unter der Regie von Gustav Machaty gedrehten Film Ekstase hatte Hedy Lamarr Filmgeschichte geschrieben, nämlich mit einer kurzen Nacktszene und mit der Simulation eines Orgasmus. Verglichen mit Stars wie Jean Harlow oder Joan Crawford ist ihr Name heute weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, weiß aber immer noch zu faszinieren. Davon legen eine Reihe von Biografien und Monografien Zeugnis ab. Erst im vergangenen Jahr erlebte ein Theaterstück von Peter Turrini seine Premiere und auch der jetzt in die deutschen Kinos kommende Dokumentarfilm von Alexandra Dean hat mit den Arbeiten von Georg Misch (2004) und Fosco & Donatello Dubini (2006) zwei Vorläufer.

Dean stellt ihrem Film ein Zitat von Hedy Lamarr selber voran: »Any girl can be glamorous. All you have to do is stand still and look stupid.« Dass sie mehr zu bieten hatte, belegt dieser Film, der immer wieder zurückkommt auf die Tatsache, dass Lamarr ein großes technisches Wissen hatte und gemeinsam mit dem Avantgarde-Komponisten George Antheil Anfang der 40er Jahre mit einer Erfindung ihren Beitrag zum Kampf gegen das faschistische Deutschland leistete: Das Frequenzsprungverfahren ermöglichte es, durch wechselnde Funkfrequenzen die Fernsteuerung von Torpedos so zu verschlüsseln, dass der Feind sie nicht knacken konnte. Unklar ist, ob das Militär sie damals gleich eingesetzt hat oder aber erst später (und damit Lamarrs Anspruch auf eine finanzielle Vergütung abschmettern konnte, nachdem sie versäumt hatte, das Patent zu verlängern), Tatsache ist, dass diese technische Innovation für eine Reihe heutiger Technologien genutzt wird (weshalb die von ihrem Sohn Anthony Loder verfasste Biografie in der erweiterten Neuausgabe in »Mrs. Bluetooth« umgetitelt wurde).

Mehr als zwanzig Nachkommen, Biografen und Filmhistoriker kommen im Film zu Wort, wie leider üblich fast ausschließlich in knappen Statements, daneben gibt es historisches Archivmaterial zu sehen – und Hedy Lamarr selber zu hören, denn der Ausgangspunkt des Films waren im Jahr 2016 gefundene Tonbandcassetten, die ein Interview dokumentierten, das sie 1990, zehn Jahre vor ihrem Tod, für ein Forbes-Porträt gab. Chronologisch angelegt, erfährt man einiges über ihre Ehemänner und über ihre tragischen letzten Jahre. Sehr kurz gehalten sind die Filmausschnitte, die eher ihre imagebildenden Arbeiten wie »White Cargo« und »Samson and Delilah« betonen statt jene, in denen ihre Qualitäten als Schauspielerin sichtbar werden. Letzteres kommt zu kurz in diesem Film, der gleichwohl das Interesse an ihrer Person weckt. Immerhin kann er mit dem Triumph enden, dass ihre Erfindung heute allgemein gewürdigt wird – was für spätere Generationen ihre Filmkarriere vollkommen überdecken könnte.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns