Kritik zu Folktales

OmU © Mindjazz Pictures

2025
Original-Titel: 
Folktales
Filmstart in Deutschland: 
05.02.2026
L: 
105 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Einfühlsame und visuell ­beeindruckende Dokumentation über eine Gruppe Jugendlicher, die ein Jahr im hohen Norden Norwegens verbringt.

Bewertung: 5
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Jugendliche, die den Alltagsproblemen entfliehen und in einem »Lückenjahr« lernen, mit Hundeschlitten umzugehen. Bei einer solchen Beschreibung befürchtet man schnell Achtsamkeits- und Wohlfühl-Klischees. Hier ist diese Sorge jedoch unbegründet. Folktales ist ein psychedelischer Dokumentarfilm über einen Weg zu sich selbst, der durch die eiskalte norwegische Wildnis führt und dabei kein Hindernis auslässt; unterschnitten mit nordischen Sagen zwischen Odin und Thor, Legenden und Trachten der norwegischen Folklore und jeder Menge Hunde. Neben atemberaubenden Landschaftsaufnahmen finden Heidi Ewing und Rachel Grady erstaunlich bunte und oszillierende Bilder jenseits der Wirklichkeit, um auch die innere Verfasstheit der Pro­tagonisten zu zeigen. Gemeinsam mit dem vibrierenden Soundtrack sorgen die Bilder für eine eigene Bedeutungsebene ohne Worte. Die Schlittenhunde werden dabei zu Freunden und Lehrern der jungen Menschen, wenn sie bei minus 30 Grad im Wald campieren. Vor allem aber ziehen sie auch die Zuschauer durch diese märchenhafte Welt jenseits der Zivilisation.

Kaum ein Jugendlicher verlässt diese harte Schule, im Gegenteil, die meisten kehren zurück, manche sogar für immer. Denn wer es sich in einer feindlichen, für den wärmebedürftigen Menschen gefährlichen Natur einrichten kann, der kommt auch mit den eigenen Problemen zurecht. Das Handy wird immer seltener benutzt, bis es ganz in Vergessenheit gerät, die Angst weicht einem inneren Wohlgefühl. Die Gemeinschaft findet in der Wildnis eine ganz eigene Notwendigkeit, niemand wird ausgestoßen oder gar zurückgelassen. Eine solche Erfahrung kann man nicht simulieren und es ist ein kleines Wunder, dass die norwegische Volkshochschule solche Einjahreskurse anbieten kann. Denn bei aller Fürsorge, ungefährlich ist dieses Jahr sicher nicht. Und die Aufnahmen aus der Luft, die blätterlose Baumkronen zu einem surrealen Mosaik werden lassen, die Bilder von wild durch den Schnee rasenden Hunden und die von glücklichen, vom eiskalten Fahrtwind zerzausten Menschen, sind so aufmerksam montiert, dass Sprache vielfach überflüssig wird. Denn hier versteht man alles, indem man zuschaut. Und das ist in der Landschaft der Dokumentarfilme eine große Ausnahme.

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