Kritik zu Dracula Untold

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Ein Superheld? Oder neuer Retter von Mittelerde und Westeros? Regisseur Gary Shore zeigt Dracula als stark überzeichnetes Hybridwesen jüngerer Fantasykino-Alphamänner

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Männer fürchten sich nicht vor Schwertern, aber vor Monstern. Und da Vlad Tepes (Luke Evans), Prinz von Transsylvanien und bester Krieger seines Landes, dem schleichenden Untergang seines Volkes entgegensieht, muss ein faustscher Pakt mit dem Teufel her. Wie sich am Filmtitel bereits erahnen lässt, erzählt Regisseur Gary Shore in seinem Debüt die Vorgeschichte des beliebtesten Vampirs aller Zeiten. Und eine Macke, die manche Debütanten nun mal haben, ist die Auffälligkeit, mit der sie sich an ihre Vorbilder und Einflüsse klammern. Im Fall von Dracula Untold kann man das entweder als kurzweiliges Zitatenkino goutieren oder, mit strengerem Blick, als unfreiwillig komisches Schauspiel entlarven, bei dem gewünschter Ekletizismus leicht mit seelenlosem Ideenklau verwechselt werden kann.

Anfangs schreitet der noch zahme Held durch grün bewaldete Sets, die aus Game of Thrones stammen könnten. Als der tückische Sultan (sehr amüsant: Dominic Cooper im gut frisierten Look eines türkischen Hochzeitssängers) 1000 transsylvanische Kinderkrieger ordert, erklärt ihm Vlad den Krieg. Damit die Schlacht gewonnen werden kann, kommt es zum besagten Pakt: In einer Berghöhle wohnt nicht etwa Drache Smaug aus der Hobbit-Reihe, sondern ein blutrünstiges Schauerwesen (Charles Dance), das ihm folgenden Deal vorschlägt: Ich beiße dich und verleihe dir Superkräfte. Im Gegenzug verlange ich neues Blut. Vlad kann fortan fliegen, sich zu einem Fleder­mausschwarm morphen oder ganze Armeen eigenhändig erlegen – Marvels Superhelden oder Neo aus Matrix lassen grüßen. So erleben Dracula-Fans den Blutsauger zum ersten Mal als omnipotenten und polyvalenten Superhelden, der im heimischen Schloss ein zärtlicher Liebhaber und treu sorgender Vater ist, auf dem Schlachtfeld aber humorlos ganze Heerscharen massakriert. Für Bram Stokers ursprünglichen Dracula-Mythos bleibt da kein Platz mehr – der berühmteste Blutsauger der Geschichte ist in dieser Form eher ein Fall für den Superheldenclub der Avengers.

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