Kritik zu Die innere Zone

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Fosco Dubinis verquastes Science-Fiction-Kammerspiel erzählt nichts Neues und das auch noch schlecht

Bewertung: 1
Leserbewertung
1.5
1.5 (Stimmen: 4)

Es beginnt mit einem majestätischen Kameraflug über ein schneebedecktes Felsmassiv, an dessen Ende der Blick nach unten steht: in eine seltsam verdrehte Öffnung, die eine Laune der Natur sein könnte, aber auch der Zugang zu einer anderen Welt. Etwas ist dort unten, ein Geheimnis, vielleicht auch eine Bedrohung. Am Anfang dieses Science-Fiction-Films verheißen die Bilder noch Weite und Sinnlichkeit und erinnern, beispielsweise, an Das Ding aus einer anderen Welt, in dem die eisige Oberfläche einem außerirdischen Eindringling Schutz bot. Aber, der Titel annonciert es, Regisseur Fosco Dubini will mit seinem Film woanders hin, nach innen, in enge, begrenzte Sphären, in denen es weniger um physische als um psychologische Bedrohung geht. Sein filmisches Vorbild dürfte eher Tarkowskis Solaris gewesen sein.

Im Zentrum steht die Psychologin Marta (Jeanette Hain), die den Auftrag erhält, eine Tunnelbaustelle in den Alpen aufzusuchen, wo es einen rätselhaften Unfall gegeben hat. Vor Jahren war Marta an einem Projekt namens »Aurora« beteiligt und leidet seither unter rätselhaften Visionen, die sie »Echos« nennt. Diese vermischen sich mit den Erinnerungen an ihren kleinen Sohn, der offenbar vor einer Weile gestorben ist. In der unterirdischen Station herrschen Chaos und Delirium: Die wenigen verbliebenen Forscher leiden unter Wahnvorstellungen und reden wirres Zeug, und auch Marta gerät zunehmend in den bewusstseinsverändernden Bann des finsteren Orts.

Das Drehbuch basiert lose auf einem Reaktorunfall im schweizerischen Lucens, der sich Ende der 60er Jahre ereignete. Welche Folgen, so die Prämisse, hat die freigesetzte Strahlung für Körper und Geist? Auf die realen Geschehnisse nimmt Die innere Zone dabei aber keinerlei Bezug, Dubini verortet seine Story vielmehr in einem komplett abstrakten Raum – in einer nicht näher bezeichneten Zeit, an einem nicht näher bezeichneten Ort. Sein geheimniskrämerischer Erzählduktus ist dabei voller Anspielungen und Symbole, allein: Es steckt nichts dahinter, nicht einmal ein ansehnlicher Stil. Dieser Mix aus selbst erklärter Bedeutsamkeit und filmischer Banalität berührt geradezu peinlich.

In den 70ern gab es so etwas öfter im deutschen Kino: Filme, die sich gar nicht erst die Mühe machten, ihre Geschichten visuell zu erzählen, und das auch noch als künstlerische Methode deklarierten. Auch bei Dubini kommen die Informationen samt und sonders aus dem Off, aus Martas Gedanken, die erstaunlich platt und emotionslos artikuliert werden. So entsteht eine Schere zwischen den Bildern, die kaum etwas erzählen, und dem Voice-over, das Ereignisse und Zusammenhänge nur behauptet. Martas Begegnungen mit den Kollegen laufen ebenso ins Leere wie die spröden Rückblenden, und der Film schafft es zu keinem Zeitpunkt, das Ineinander von Wahn und Wirklichkeit interessant zu gestalten. So erinnert Martas Wissenschaftlerin am Ende weniger an den Astronauten aus Solaris als an die einsame Kämpferin aus dem ersten Resident Evil – nur ohne die untoten Gegenspieler.

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