Kritik zu Die Herzogin

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Die Herzogin von Devonshire (1757-1806) war eine große Schönheit und eine Stilikone in Sachen Mode, ein Superstar nach heutigem Verständnis. Und sie hatte – wie ihre Nachfahrin Lady Diana Spencer – schon ein Händchen, die Presse in Schach zu halten

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Georgiana Spencer (Keira Knightley) verstand schon als junges Mädchen, sich effektvoll in Szene zu setzen und mit pikanten Schäferspielen für ihre Unterhaltung zu sorgen. So setzt der Film mit einem munteren Galopprennen der Galane ein, die sich für die verwöhnten Adelstöchter schon mal ins Zeug legten und über den grünen Rasen jagten – insbesondere Charles Grey (Dominic Cooper), der spätere Politiker, der über beide Ohren in Georgiana verliebt war. Aber in der Beletage des Schlosses laufen schon die Verhandlungen mit dem Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes) über den Ehevertrag mit Georgiana, von der sich dieser nur eines erhofft: einen männlichen Erben. In der Hochzeitsnacht hat er es dann so eilig, dass er ihre Schnüre und Schleifen mit einer Schere durchschneidet, um schnellstens in den jungen Körper einzudringen. Aber Georgiana wird ihn bitter enttäuschen, denn sie bringt in den ersten Jahren zwei Mädchen zur Welt und nimmt noch den Bastard Charlotte als drittes Kind unter ihre Fittiche; der ersehnte Erbe folgt erst viel später. Georgianas Stärken liegen woanders.

Ganz im Gegensatz zum öffentlichkeitsscheuen, wortkargen Herzog entwickelt sich die kommunikationsfreudige und kluge Georgiana zu einer einflussreichen Figur im Gesellschaftsleben, trumpft auf Banketten und Bällen mit aufreizenden Sprüchen und immer gewagteren Kreationen auf – drei Fuß hohe Perücken zierten die zierliche Frau, die sich deshalb in der Kutsche auf den Boden setzen musste. Sie hält sich auch nicht mit freigeistigen Reden zurück, als es gilt, den liberalen Abgeordneten Charles Grey zu unterstützen. Dass damit auch eine alte Liebe wieder aufflammt und sogar den Herzog aus der Seelenruhe bringt, mischt die Geschichte erst so richtig auf. Im Schloss von Devonshire lebte man derweil unbeschwert in einer ménage à trois – der Herzog hatte eine Affäre mit Georgianas bester Freundin –: die angetraute Georgiana war in die zweite Reihe verdrängt.

Der Schwerpunkt des Films liegt jedoch nicht auf der politischen Entwicklung, dem revolutionären Rumor, der, aus Frankreich kommend, auch in England auf fruchtbaren Boden fiel, sondern auf dem Beziehungsclinch der Protagonisten, die patriarchaler Willkür unterliegen. Eine Hauptrolle spielt dabei die Ausstattung. Keira Knightley trägt allein 30 verschiedene Kostüme, die, von Pastell bis Dunkel abgetönt, auch als Stimmungsgeber des Films eingesetzt werden. Ein Hauch von »Barry Lyndon« weht durch den Film, wenn sich die Kamera ganz auf das goldene Kerzenlicht verlässt, das Charakterspiel der Figuren im rauschhaften Pomp jedoch eher vernachlässigt. Die sprühende und zu Unrecht immer wieder hochgelobte Keira Knightley zeigt etwas mehr Farbe als in früheren Rollen, fällt mit ihrem Plappermäulchen aber erheblich gegenüber ihrem so gut wie stummen Widersacher Ralph Fiennes ab, der die Schattenfigur des Herzogs mit feinsten Blicknuancen zum Glänzen bringt. Die berückende Kulisse englischer Schlösser und Gärten tut ein Übriges, um den Film in einen Sinnenrausch zu verwandeln.

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