Kritik zu Botero – Geboren in Medellin

© Concorde Filmverleih

2008
Original-Titel: 
Botero – Geboren in Medellin
Filmstart in Deutschland: 
30.10.2008
L: 
92 Min
FSK: 
12

Nach Filmporträts von Caspar David Friedrich, Max Ernst, Niki de Saint Phalle und Friedensreich Hundertwasser widmet der 73-jährige Peter Schamoni sein neuestes Werk dem nahezu gleichaltrigen Freund Botero

Bewertung: 4
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Sichtlich genießt Botero die surreale Absurdität und den verschmitzten Humor, der sich einstellt, wenn die riesigen, schwarzen Leiber seiner Skulpturen auf ihren Wegen durch die Metropolen der Welt an schweren Seilen in den Lüften schweben oder auf Lasterladeflächen gebunden über die Straßen gleiten, wenn die Passanten ihre schmeichelnden Oberflächen streicheln oder ein kleiner Hund seinem monumentalen Fuchs ans Bein pinkelt: »Ich komme mit meiner Kunst zu den Menschen«, sagt der 75-Jährige, der wie seine Werke in der ganzen Welt zu Hause und doch zugleich fest in seiner Heimat Kolumbien verwurzelt ist.

Anders als Sydney Pollack, der sein Porträt des Architekten Frank Gehry als Dialog mit dem Freund anlegte, tritt Schamoni diskret zurück und bereitet dem Maler eine Bühne, auf der er die Stationen von Leben und Werk Revue passieren lässt. Er lässt ihn erzählen, wie er Mitte der sechziger Jahre seinen sinnlich monumentalen Stil fand, als er im Stillleben einer Mandoline die Öffnung extrem klein malte, und wie er eine Orange aufisst, bevor er sie malt, um sich von der Realität nicht einschränken zu lassen. Botero gilt als großer Naiver, umso überraschender ist die Schärfe, mit der er bisweilen auf den Einbruch der Realität reagiert, wie etwa eine Bombenexplosion unter einer seiner Skulpturen, oder die Folterfotos von Abu Ghraib, die seinen sonst so schwerelos aus der Dynamik der Bewegung entrückten Arbeiten für einen einzigen Zyklus eine ganz ungewohnte Härte verleihen: »Es gibt Momente, in denen man als Künstler Stellung beziehen muss.«

Das Glück des Malers besteht darin, dass er eine eigene Welt schaffen kann, sagt Botero einmal, und Schamoni lädt in seinem Film, im Dialog zwischen Leben und Werk zu einer Reise in diese Welt ein. Zu seinem diskreten Stil gehört auch, dass Mario Adorf zu den englischen Erzählungen Boteros nur knappe Übersetzungen liefert und so der Persönlichkeit des Künstlers viel Raum zur Entfaltung gibt.

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