Aktuelles
19.08.2026
Werner Enke prägte mit »Zur Sache, Schätzchen« und seinem anarchischen Humor das Lebensgefühl einer Generation. Ein Rückblick auf den Schauspieler, Sprachkünstler und das unangepasste Kino der Münchner Gruppe.
17.08.2026
Russell T Davies spricht über seine neue Serie »Tip Toe«, wachsende Homophobie, Online-Hass und die Schattenseiten queerer Sichtbarkeit – und erklärt, warum gesellschaftlicher Fortschritt niemals selbstverständlich ist.
10.08.2026
Bella Ramsey und Neil Patrick Harris sprechen über Dreharbeiten wie im Ferienlager, die Vorbereitung auf ihre Rollen und warum Musik, Vertrauen und echte Emotionen den Film so besonders machen.
06.08.2026
Jutta Brückner hat als Autorin und Regisseurin den feministischen Zweig des Neuen Deutschen Films maßgeblich geprägt. Jetzt kommt eine neue Arbeit von ihr ins Kino. Claudia Lenssen blickt zurück.





Ein Plädoyer für Wertschätzung und gegen Stigmatisierung
Stefan Sick hat einen feinfühligen Dokumentarfilm aus der Perspektive der jungen Menschen produziert. Das wäre meine Kurzzusammenfassung. Der Film ist in einer unser sozial-diakonischen Einrichtungen entstanden, das sei vorausgeschickt. Aber genau dieser Ansatz war auch ein Entscheidungsfaktor, dem ein ausführlicher Prozess und eine intensive Begleitung vorausging und im Übrigen noch immer besteht, auch wenn die Dreharbeiten nun schon etliche Jahre zurückliegen. Aber genau durch diese Sichtweise ist der Film ein Plädoyer für Wertschätzung geworden. Wertschätzung für die Stärke, das Potenzial und die Willenskraft junger Menschen. Dinge, die sie entwickeln können, weil überaus empathische pädagogische Mitarbeiterinnen ihnen zur Seite stehen. Somit ist es auch ein Plädoyer für Wertschätzung dieses wichtigen Arbeitsfeldes der Sozialen Arbeit.
Dieser Ansatz, den Stefan Sick in einem YouTube-Interview auch sehr gut erklärt, ist wichtig, um den Film und seine Intention zu verstehen. Es geht nicht darum, das ganze Setting zu erklären, alle Gründe aufzudröseln und alles in Komplettheit darzustellen. Was hier bei epd vielleicht als "fehlend" kritisiert wird, fehlt eigentlich für den Regisseur nicht, weil es ihm darauf nicht ankam. Daher gibt es auch keine Sequenzen ohne zumindest eine der Protagonistinnen. Der große Wunsch hinter dem Film ist: es gibt überhaupt keinen Grund, dass sich irgendjemand stigmatisiert fühlen muss, nur weil man einmal in einem Hilfeprozess stationärer Jugendhilfe war, es gibt keinen Grund dies zu tabuisieren. Denn Stigmata und Tabus sind Elemente von Vorurteilen und Vorurteile entstehen sehr oft durch Unkenntnis. Daher ist der Film so wertvoll, weil er einen wichtigen gesellschaftlichen Impact leistet gegen Stigmatisierung.