Panorama: »Mid90s«

»Mid90s« (2018). © MFA+ Filmdistribution

Los Angeles in der flirrenden Hitze des Sommers. Stevie (eine Entdeckung: Sunny Suljic) lebt mit seiner Mutter und dem großen Bruder Ian in einem kleinen Haus in einer ärmeren Gegend von L.A.. Auf der Suche nach Freunden traut er sich letztendlich in den lokalen Skate-Shop und findet in den Jungs die dort abhängen eine Ersatzfamilie. Sein prügelnder älterer Bruder Ian (Lucas Hedges), selbst verbitterter Einzelgänger, und seine Mutter sind für ihn keine Hilfe dabei herauszufinden wie das Erwachsenwerden gehen soll. Ganz im Gegensatz zu seinen neuen Freunden, bunt gemischt aus verschiedensten Elternhäusern: Da ist der bettelarme, filmbegeisterte »4th Grade«, der ambitionierte Ray, der Profiskater werden will um aus dem Ghetto zu kommen, Ruben der skatet um nicht zu Hause bei der betrunkenen Mutter sein zu müssen und schließlich der hyperaktive »Fuckshit«, den sein gut situiertes Elternhaus ankotzt. Hier zeigt sich die Offenheit der Skateboarding-Subkultur in der niemand Berührungsängste voreinander hat und in der auch Gespräche mit Obdachlosen im Skatepark wertvoll sind. 

Trotzdem gibt es hier gewisse Regeln und die Anpassung an das damalige amerikanische Bild des typisch-Maskulinen ist in Stevies neuem Freundeskreis eine davon. Das geht bis hin zu dem Ratschlag das Wort »Danke« zu unterlassen, das seie »gay«. Frauen sind »bitches« und Prahlereien über Party-Eroberungen die Messlatte für den gegenseitigen Respekt in der Gruppe. Hills Film übt durch diese Überspitzungen deutliche Kritik an diesen antiquierten Geschlechterbildern, die in einigen Köpfen noch nicht ausgestorben scheinen, und schafft es durch sein beachtenswertes Regiedebüt vielleicht auch, die Anhänger seiner Bro-Comedies (»Superbad«, »21 Jump Street«) zum Nachdenken zu bewegen. 

Einen ruhigen Film hat Hill hier gedreht, zumindest deutlich ruhiger als die schrillen Rollen seiner Schauspielkarriere. Viel zu erzählen hat »Mid90s« trotzdem. Der Film ist eine Liebeserklärung an die Skateboard-Szene der Neunzigerjahre, ans Rumhängen, an Hauspartys mit billigem Bier aus 40-oz-Flaschen und an die Freiheit der Hinterhof-Skateparks von L.A.. Auch der populären Szene der eigenproduzierten Skate-Videos wird in Hills Film mit einer in typischer Fisheye-Optik gedrehten Schlusssequenz Tribut gezollt. 

»Mid90s« startet am 7. März im Verleih von Mfa+ in den deutschen Kinos.

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