Argumente gegen das Denken

»Beuys« (2017) Foto: Ute Klophaus © zeroonefilm/ bpk_ErnstvonSiemensKunststiftung_StiftungMuseumSchlossMoyland

»Beuys« heißt schlicht der neue Dokumentarfilm von Andres Veiel, der wie kein anderer mit dieser Form umgehen und interessante Aspekt aus seinem Material herausarbeiten kann. Kaum Interviews hat Veiel geführt, wie zum Beispiel mit dem Künstlerkollegen Klaus Staeck, hier kommt Beuys im historischen O-Ton selbst zu Wort. So wird in diesem Film vor allem deutlich, dass Beuys aus einer Zeit der Aktion stammte, die irgendwann vom Diskurs abgelöst wurde. All die Diskussionen, die Debatten und Vorträge, die wir hier zu sehen bekommen, zeigen, wie wenig es Beuys um ästhetische Theorie ging, wie wenig um philosophische Auseinandersetzung mit dem Kunstbegriff oder um eine klare Debatte. Ihm ging es um Provokation mit dem Ziel zu verunsichern und aufzurütteln. Dafür erntete er viel Spott und Wiederspruch auch von Kollegen. Idiot hieß es da, Arschloch, oder einfach »geh doch nach Hause und spiel mit deinem Fett«.

Beuys wollte das moderne aus der Gegenwartskunst vertreiben und wurde damit zum einflussreichsten Künstler der Nachkriegszeit. Dabei wollte er auch das nicht sein. Er besetzte das Sekretariat der Kunsthochschule in Düsseldorf und folg raus. Ihm war das alles egal. In seinen Reden aber wird klar, dass er kein großer Denker, sondern ein Aktivist war. »Wir müssen die wirklichen Fragen stellen, den Menschen ernst nehnen und dann gemeinsam nach Antworten suchen.« Vielfach klingen seine Sätze wie Slogans, wie politische Leerformeln. Die Mitgliedschaft bei den Grünen war ihm ebenso wichtig wie die Zerstörung eingefahrener Kunstbegriffe. Beuys hatte Erfolg. Mit der Honigpumpe, seinen 7000 Eichen in Kassel zur Dokumenta und dem immer wiederkehrenden Filz und Fett. Ob die Legende wirklich stimmt, dass diese beiden Materialien ihm einst das Leben retteten, auch das stellt der Film vorsichtig in Frage.

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