ZDF-Mediathek: »Safe«

»Safe« (Miniserie, 2022). © ZDF / Bella Halben / Julia von Vietinghoff

»Safe« (Miniserie, 2022). © ZDF / Bella Halben / Julia von Vietinghoff

Hauptsache zugewandt

Therapie in Serie, das gab es in den letzten Jahren schon öfters. »Safe«, das erste Serienformat von Oscar-Preisträgerin Caroline Link hat eine neue Perspektive. In acht Folgen von rund 40 Minuten, mit je zwei Therapiesitzungen geht es um kindliche und jugendliche Patient*innen, die einen sicheren Ort brauchen.

Eine lichte Praxis im ruhigen Teil Berlins. Hier treffen sich die beiden Kinder- und Jugendtherapeuten Katinka und Tom mit ihren jungen Patient*innen. Die Räume sind freundlich und lichtdurchflutet, es gibt Spielsachen für unterschiedliche Altersgruppen. Die sechsjährige Ronja verkleidet und schminkt sich geschäftig summend vor dem Spiegel, die Therapeutin Katinka sitzt ein bisschen entfernt auf dem Boden, beobachtet, nimmt behutsam die Fäden auf, die Ronja auslegt, spürt Dissonanzen auf, beispielsweise als Ronja eine Stellvertreterfigur ihres kleinen Bruders ruppig im Sandkasten vergräbt. Man erschrickt angesichts der offenkundigen Verstörung, doch die Therapeutin bleibt ruhig, fällt kein Urteil, wirkt dabei aber auch nie salbungsvoll oder herablassend, sondern offen und zugewandt, was sehr viel mit dem feinen Spiel von Judith Bohle zu tun hat, aber auch mit dem Konzept der Spieltherapie, über die Caroline Link schon als Siebzehnjährige fasziniert gelesen hat.

Kinder in Krisensituationen haben in ihren Filmen schon oft eine wichtige Rolle gespielt, in »Jenseits der Stille«, in der ein kleines Mädchen für ihre taubstummen Eltern die Brücke zur Welt war, in »Nirgendwo in Afrika« über eine Familie, die sich im Exil neu sortieren musste, in der Kästner-Verfilmung »Pünktchen und Anton«, zuletzt in »Der Junge muss an die frische Luft« über die Kindheit von Hape Kerkeling und in der Judith-Kerr-Verfilmung »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl«. All diese jungen Menschen könnte man sich jetzt gut auch in der Praxis von Katinka und Tom (Carlo Ljubek) vorstellen. Auch die Kinder sind aufmerksam, schlau durchschauen sie die Tricks der Therapeuten, spüren in den Spielsituationen verdeckte Strategien auf und provozieren immer wieder: »Müssen Sie nicht aufschreiben, was ich hier mache, das verrät doch bestimmt ganz viel über mich«, frotzelt die 15-jährige Nelly, die ihre Angstzustände und Panikattacken mit sportlicher Hyperaktivität überspielt.

Auf den ersten Blick wirkt das alles ganz leise und unaufdringlich, geradezu unspektakulär, und gerade darum so kostbar in der deutschen Fernsehlandschaft, die noch immer von Gewalt, Mord und Totschlag in Krimis dominiert wird und von den sauberen Auflösungen am Ende. Ganz ohne dramaturgischen Druck nimmt sich Caroline Link viel Zeit für das, was sich aus Gesichtern herauslesen lässt, wenn Darstellern ein Raum zum Atmen eröffnet wird. Und da schließlich jeder mal ein Kind war, ist das keineswegs nur für Eltern von Problemkindern interessant.

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