ARD-Mediathek: »State of the Union« Staffel 2

»State of the Union« (Staffel 2, 2021). © ARD Degeto/2021 Sundance TV LLC.

»State of the Union« (Staffel 2, 2021). © ARD Degeto/2021 Sundance TV LLC.

Szenen einer Ehe

Gesellschaftskomödie. Sagt man noch so? Versteht das noch jemand, auch wenn der Begriff ohne modischen Anglizismus auskommt? Fragen wie diese stellt der Pensionär Scott sich und anderen. Er gibt gerne zu, dass er in den 1970ern stecken geblieben ist. Mit dem Angebot im Hipstercafé – Doppio, Cortado, Flat White, Babyccino – kann Scott nichts anfangen. Er will nur einfach einen Kaffee.

Irritierend auch, dass Jay, die Person hinter der Theke, sich keinem der Scott bekannten Geschlechter zuordnen lassen möchte. Scotts Ehefrau Ellen hingegen ist mit Jay befreundet und überhaupt auf der Höhe der Zeit. Nachsichtig lächelnd und geduldig erklärt sie dem bärbeißigen Gatten die Welt. Wobei der sich in der Rolle des Grantlers wohl auch ein wenig gefällt.

Widerwillig hat sich Scott darauf eingelassen, mit Ellen eine Eheberatung aufzusuchen. Die denkt an Scheidung, zaudert aber noch. Im Café Mouthfeel überbrücken sie die Zeit bis zu ihrem Termin.

Autor Nick Hornby und Regisseur Stephen Frears nehmen die Konstellation der ersten Staffel ihrer Serie »State of the Union« wieder auf, von Hornby in einer Art Textbuch auch bereits als schmales Bändchen veröffentlicht. In zehn Folgen á rund zehn Minuten traf sich das von Rosamund Pike und Chris O'Dowd gespielte Ehepaar in einem Londoner Pub, um sich gesprächsweise auf die nachfolgende Konsultation einzustellen.

Staffel 2 wird zwar gleichfalls in London gedreht, doch das Geschehen ereignet sich in Connecticut. Scott und Ellen sind US-Amerikaner, er konservativer Demokrat und Jachteigentümer, beide besitzen eine Wohnung in New York und müssen sich über ihre Finanzen keine Sorgen machen. Oberschichtenfernsehen.

Gespielt wird das Paar von Patricia Clarkson und Brendan Gleeson, die das von ihnen gewohnte schauspielerische Niveau locker halten. Dabei macht es Hornbys Text vor allem Gleeson nicht leicht. Scott, zerknittert, bauchig, hängebackig, ist dem sonst so alltagsnahen Hornby zur Karikatur missraten und raunzt Sätze wie: »Warum kann es nicht wieder so sein wie früher?« Er lernt im Laufe der Sitzungen dazu, aber der Umschwung wird nicht entwickelt, sondern kommt, eher der Dramaturgie eines Kinofilms nahe, viel zu abrupt. Ellen ist jüngst den Quäkern beigetreten und es wirkt, als sei es Hornby dabei nur um den abgeleiteten Kalauer »to quake« gegangen.

Ärgerlich einmal mehr die deutsche Synchronisation. Das leider schon allgegenwärtige »nicht wirklich« darf nicht fehlen, wo ein »eigentlich nicht« oder »nicht unbedingt« treffender gewesen wäre. Aus »sweet« wird unvermeidlich »süß«, auch wenn »lieb«, »liebenswert« oder »freundlich« gemeint ist. Dann gibt es noch »die Messlatte«, die »doch nicht zu hoch« liegt. – Der Spruch stammt vom Hochsprung. Da müssen die Sportler zwar über eine Latte hüpfen, die lotrecht ragende »Messlatte« aber dient dazu, die Höhe zu messen.

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