Kritik zu Whalefall
Brian Duffields Tiefseethriller überwältigt mit Bildern für die große Leinwand, verliert aber durch seine überladene Vater-Sohn-Geschichte an Spannung
Eigentlich hasst Jay Gardiner (Austin Abrams) ja das Tiefseetauchen, das sein Vater Mitt (Josh Brolin) ihm mit überschwänglichem Sendungsbewusstsein einimpfen wollte. Doch als der Krebskranke sich in der Monterey-Bucht ertränkt, kann Jay nicht anders: Mit Neoprenanzug und Sauerstoffflasche begibt er sich in die Tiefe, um den Leichnam des Alten zu suchen. Dabei wird er von einem monströsen achtarmigen Kalmar umschlungen, der, als wäre das nicht genug, von einem hausgroßen Pottwal verschluckt wird.
»Whalefall« basiert auf der gleichnamigen Vorlage des Pulitzer-Preisträgers Daniel Kraus, der das biblische Motiv von Jona und dem Wal variierte. Brian Duffields visuelle Umsetzung ist das Pfund, mit dem dieser klaustrophobische Survivalthriller wuchert. Denn nach einer Epoche, in der kleinformatige Streamingserien dem Kino den Rang abzulaufen schienen, ist dieser Film eine Art Renaissance der gediegenen XXL-Leinwand.
Das Motto »Size does matter«, mit dem Roland Emmerich in seinem »Godzilla« Quantität zur Qualität stilisierte, gilt auch für dieses physische Spektakel. Dank der Größe dieses Wals haben die Bilder wieder das Beißen gelernt – obwohl Jay ja die meiste Zeit im engen Magen des Riesensäugers verbringt. Wo er nicht nur dem ätzenden Verdauungssaft trotzen muss, sondern auch noch dem – mitverschluckten – Kalmar.
Leider erbt der Film auch eine strukturelle Schwäche der Vorlage: Während Jay verzweifelt um sein Leben kämpft, wird in ausführlichen Rückblenden das schwierige Verhältnis zu seinem Vater geschildert, der fordernd, grob und emotional verletzend auftritt. Leider ist die Beziehung zwischen diesem trinkenden Öko-Freak und dem Sohn, der von Schuldgefühlen geplagt wird, völlig überladen. Die Balance zwischen furioser Action und klischeehafter Psychologie ist unausgewogen und die Spannung dieses etwas anderen Tauchgangs erlahmt zusehends.





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