Kritik zu Für immer 16

- kein Trailer -

2026
Original-Titel: 
Für immer 16
Filmstart in Deutschland: 
27.08.2026
L: 
74 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Eine Experimentalfilmgruppe will wieder einen Film drehen. Brezel Görings Super-8-Debüt ist eine Komödie über Freundschaft, Stillstand und das Vergnügen am Dilettantismus.

Bewertung: 5
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Jemand soll mich nach Hause bringen, weg von dieser öden Stätte des Verfalls.« So beginnt der Song »Ohne Licht« von Psychoanalyse, der Berliner Post-Stereo-Total-Band von Brezel Göring. Es könnte ebenso gut das Motto seines ersten Spielfilms »Für immer 16« sein. Auch hier versucht eine Gruppe Gestrandeter, einem Ort des Verfalls zu entkommen – geografisch, künstlerisch und persönlich.

Charlotte, Helena und Oskar waren einmal die Experimentalfilmgruppe »Für immer 16«. Charlotte (Lilith Stangenberg) ist inzwischen erfolgreiche Schauspielerin und finanziert den Palermo-Urlaub der beiden anderen, die irgendwo zwischen Geldmangel, Dauerkrise und Prokrastination im von ihnen so genannten »Drecksloch« Berlin festhängen. In Palermo dann wollen sie eigentlich endlich wieder einen gemeinsamen Film drehen. Stattdessen diskutieren sie dort, streiten, rauchen und verschieben den Dreh. Alle paar Minuten fällt derselbe Satz: »Ich gehe jetzt erst mal ins Restaurant.«

Lange Zeit passiert nichts und genau darin liegt der Witz des Films. Die größte Anstrengung besteht darin, zu entscheiden, was überhaupt gedreht werden soll, bis der pragmatische Vorschlag fällt: »Ein Krimi ist anspruchslos, da werden wir uns bestimmt nicht streiten.«

Im Urlaub entsteht dann ein Film im Film: Die »männermordende Dementia« im glitzernden Catwoman-Kostüm bringt einen Mann nach dem anderen um. Mit Arsen, Rhododendron oder Schierling, manchmal genügt auch ein Stein. Sämtliche Opfer spielt die Urlaubsbekanntschaft Rudolph (Twiggy Glouglou), zugleich Drehbuchautor und Liebhaber aller Beteiligten. Als er bei einer Mordszene versehentlich tatsächlich stirbt, stellt sich die Frage, ob das belastende Filmmaterial vernichtet oder lieber die Flucht angetreten werden soll. Dass kurz darauf der ermittelnde Polizist ebenfalls von Twiggy Glouglou gespielt wird, erscheint vollkommen logisch.

Die Krimihandlung bleibt ohnehin Nebensache, wichtiger ist das permanente Aneinandervorbeireden der Figuren. Sie beleidigen, beneiden und nerven sich und bleiben doch zusammen. Freundschaft ist hier liebevolle Gewohnheit gegenseitiger Zumutung.

Die grobkörnige Unschärfe des komplett auf Super 8 gedrehten Films prägt jede Einstellung. Man hat das Gefühl, den Film nicht wirklich zu sehen, sondern sich an ihn zu erinnern. Noch eigenwilliger ist der Ton: Sämtliche Dialoge wurden nachsynchronisiert und schweben leicht neben den Gesichtern, als wären sie an einem einzigen Nachmittag mit dem Kassettenrekorder aufgenommen. Über allem liegt die Stimme von Françoise Cactus. Der Film basiert auf Fragmenten ihres Romans »Lebenslang 14«, den Brezel Göring nach ihrem Tod fertigstellte. Fast durchgehend erklingen Songs von Stereo Total, der legendären deutsch-französischen Undergroundband beider, so dass Cactus als unsichtbare vierte Hauptfigur stets anwesend ist.

»Für immer 16« erinnert an die schnoddrigen Dialoge von May Spils, den anarchischen Humor John Waters’ und die Low-Budget-Bastelpoesie Wenzel Storchs. Schund und Schönheit sind hier kaum noch unterscheidbar. Zwischendrin sagt jemand: »Du findest, ein Film muss eine nachvollziehbare Handlung haben. Da sage ich: Nein. Kein Interesse.«

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