HBO Max: »Banksters«

»Banksters« (Serie, 2026). © Discovery Communications Benelux B.V.

© Discovery Communications Benelux B.V.

In der ersten deutschen HBO-Produktion werden unbedarfte Azubis zu Bankräubern

Für einen Moment lässt der Titel an eine andere Serie aus gleichem Hause denken. Könnte sich hinter »Banksters« eine deutsche Antwort auf »Industry« verbergen, das wilde Treiben junger Menschen, die im Finanzwesen arbeiten? Weit gefehlt, und auch mit »Bad Banks« hat diese neue Serie nichts zu tun. Denn hier – und das zeigt sich gleich zu Beginn der sechs von Bernd Lange erdachten Folgen – geht es weniger um den Arbeitsalltag bei der Bank als darum, ebendiese zu betrügen und auszurauben.

Frei nach wahren Begebenheiten, so heißt es zumindest, wird hier 2004 Protagonist Yusuf (Eren M. Güvercin) direkt auf dem Fußballplatz verhaftet und landet im Knast. Mehrfacher Bankraub wird dem jungen Mann vorgeworfen, der eigentlich noch mitten in der Ausbildung in einer Bankfiliale steckt. Es geht um riesige Summen, zehn Jahre Gefängnis scheinen realistisch, auch weil der verantwortliche Ermittler mahnt: Wer die Bank fickt, fickt den Staat. Doch die Mittäter*innen (u. a. gespielt von Maria Dragus und Michelangelo Fortuzzi) zu verraten, kommt für Yusuf nicht infrage. Aber während er einer Anwältin in der U-Haft seine Geschichte – inklusive der hohen Schulden seines Vaters und der Trennung seiner Eltern – erzählt, versuchen unter anderem die ältere Schwester und der kleine Bruder, etwas an seiner Situation zu ändern.

Heist-Geschichten, zumal solche, in denen echte Underdogs darauf hoffen dürfen, dem System ein Schnippchen zu schlagen, machen gemeinhin viel Spaß. Doch mit »Banksters« zeigen Lange und seine Mitstreiter (Regie: Gregor Schnitzler & Cüneyt Kaya), dass auch ziemlich viel schiefgehen kann. Vom Grundplot »unbedarfte Sympathen in kriminellen Verstrickungen« bis hin zu Tonfall und Atmosphäre muss man oft an »How to Sell Drugs Online (Fast)« oder »Crooks« denken, nur dass der Unterhaltungswert dieser Artverwandten selten erreicht wird.

Hauptproblem ist die Erzählstruktur: Als sei Chronologie schädlich, springt die Handlung in einer Tour zwischen den Zeitebenen hin und her, was die Geschichte nicht interessanter, sondern anstrengender macht. Raum für komplexe Figurenentwicklung entsteht dadurch eher nicht, wobei zumindest die antagonistischen Nebenfiguren in Bank und Polizei ohnehin kaum mehr als eindimensional-plumpe Karikaturen sind. Dazu soll eine Dauerbeschallung durch den Soundtrack zu endlosen Montagen Rasanz vermitteln, die aber weder Schnitt noch Story hergeben.

Was bleibt, ist der Eindruck einer vertanen Chance, denn sowohl in Sachen Spannung als auch mit Blick auf den Humor hätte die Idee der Serie – gerade im Kontext von Herkunft, Familie und sozialem Aufstieg – durchaus etwas hergegeben. So aber ist das Interessanteste an »Banksters« eigentlich die Erkenntnis, dass das Phänomen der Nepo-Babys auch in Deutschland längst fest etabliert ist, gehören doch zum Cast unter anderem Merlin von Garnier (Sohn von Katja von Garnier & Markus Goller), Zoe Fürmann (Tochter von Benno Fürmann) und Momo Ramadan (Sohn von Kida Khodr Ramadan, der hier auch mitproduziert hat).

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