Interview mit Dan Futterman über seine Serie »The Looming Tower«

»Ohne 9/11 hätte es einen anderen Anschlag auf amerikanischem Boden gegeben«
»The Looming Tower« (2018). © Hulu/Amazon

»The Looming Tower« (2018). © Hulu/Amazon

Dan Futterman: Der 1967 geborene Schauspieler machte sich 2006 mit »Capote« als Drehbuchautor einen Namen und wurde 2015 als Koautor für »Foxcatcher« oscarnominiert. »The Looming Tower« ist nach »In Treatment« (2010) und »Gracepoint« (2014) die dritte TV-Serie, die er produziert

Es gibt zahllose Filme und Serien zum Kampf gegen den Terror. Was machte in Ihren Augen ausgerechnet die Geschichte von »The Looming Tower« erzählenswert?

Für mich gab es zwei ­Aspekte, die sie von ähnlichen Produktionen grundlegend unterscheiden. Zum ­einen zeigen wir die Rivalität zwischen CIA und FBI, die sowohl institutioneller wie persönlicher Natur war und bekanntlich verheerende Folgen hatte. Zum anderen ist da die – ebenfalls reale – Figur des Ali Soufan, gespielt von Tahar Rahim. Ein muslimisch-amerikanischer Held, der als Teenager aus dem Libanon in die Vereinigten Staaten kam und es heute wohl schwer hätte, überhaupt ins Land zu kommen. Ohne ihn wären wir in unserem Land weniger sicher, und für uns wurde seine per­sönliche Geschichte zum eigentlichen Kern dieser Serie. Denn es ist eine, die man meiner Meinung so noch nicht gesehen hat.

Die Serie legt aber auch nahe, dass es – selbst wenn der Anschlag aufs World Trade Center hätte verhindert werden können – vermutlich zu etwas Ähnlichem gekommen wäre, oder?

Genau diese großen, schwer zu beantwortenden Fragen wollen wir mit »The Looming Tower« stellen ... Natürlich kann man davon ausgehen, dass eine derart antiwestliche Organisation wie al-Qaida nicht einfach die Hände in den Schoß gelegt hätte, nur weil vielleicht ein Plan vereitelt worden wäre. Es hatte ja schon in den Jahren vor 2001 immer wieder Anschläge gegeben, etwa auf Botschaften und Militäreinrichtungen. Ich denke, es war offensichtlich, dass die Terroristen zusehends größere Ziele ins Auge nahmen, und mutmaßlich hätte es bei Vereitelung von 9/11 irgendwann einen anderen großen Anschlag auf amerikanischem Boden gegeben. Doch an der Tatsache, dass das Verhalten von CIA und FBI der Situation wenig zuträglich war, ändert diese Erkenntnis natürlich nichts.

Was können wir durch die Auseinandersetzung mit den Ereignissen der späten 90er Jahre für uns im Jahr 2018 lernen?

Die wichtigste Lektion ist für mich ebenso groß wie simpel und heute genauso gültig wie vor 17 Jahren oder vor fünf: Diese Art von Terror ist nicht gleichzusetzen mit dem Islam. Wenn das alles ist, was die Zuschauer von »The Looming Tower« mitnehmen, bin ich schon mehr als glücklich.

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