Kritik zu W.E.

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Es ist Madonnas zweiter Film als Regisseurin, ihr Erstling »Filth and Wisdom« war vor drei Jahren böse verrissen worden, mit »W. E.« verfuhr die Kritik bislang ein paar Grad milder

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Enttäuschungen sind die Folge von Erwartungen – im Fall von Madonnas neuem Film heißt das, dass man gut daran tut, in ihr nicht den neuen Regiestar sehen zu wollen, sondern sie weiter als das wahrzunehmen, was sie ist: Eine Musikerin, die nun auch auf der Leinwand von dem erzählt, von dem ihre Songs meist handeln – von Begegnung und Begehren, von Leidenschaft und dem Phänomen der Liebe in all seinen Schattierungen.

»W. E.« – der Titel steht für die Initialen von Wallis und Edward, die auf diese Weise zu einem »we« (»wir«) verschmelzen – hat zum Ausgangspunkt die »größte Romanze aller Zeiten«, die Liebesgeschichte zwischen der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson und dem britischen Thronfolger und kurzzeitigen König Edward II., der schließlich wegen ihr auf die Krone, all seine Macht und ein Leben im Buckingham Palace verzichtete. Wobei Madonna in ihrem Film einmal weniger die Motivation Edwards in den Vordergrund stellt, sondern die Ereignisse aus der Perspektive von Wallis Simpson (sehr ausdrucksstark und zart von Andrea Riseborough gespielt) aufrollt.

Wie um die lästige Mechanik eines herkömmlichen Biopics zu vermeiden, wird Wallis’ Geschichte nicht als durchgehende Erzählung geschildert, sondern aus der Sicht einer New Yorkerin von heute wiedergegeben. Die ehemalige Auktionärin Wally (gespielt von einer bestechenden Abbie Cornish) hegt eine lebenslange Faszination für Wallis’ und Edwards love story. Als nun bei Sotheby’s Teile der Hinterlassenschaft versteigert werden, besucht sie täglich die Auktion. Selbst reich, aber unglücklich verheiratet, erkundet Wally durch ihre Beschäftigung mit Wallis die Lichtund Schattenseiten auch ihrer eigenen Liebe. Mit unverkennbarer Nähe zum Videoclip spiegelt der Film so im Hin und Her zwischen Gegenwart und Vergangenheit zwei in ihren Gefühlen gleichzeitig gefangene, aber auch sehr autonome Frauen. Dank seiner zwei großartigen Hauptdarstellerinnnen funktioniert »W. E.« als Frauendrama ausgezeichnet.

Doch leider ist das nicht ganz alles. So sehr man schätzen mag, dass Madonna Wallis einmal nicht als verwöhnte und machtgierige Society-Löwin porträtiert, sondern als kluge gesellschaftliche Aufsteigerin zur Geltung kommen lässt, so bereitet doch Unwohlsein, dass im Film den nicht nur vermeintlichen Sympathien von Wallis und Edward mit den Nazis mit etwas blinder Naivität widersprochen wird.

Unabhängig von den Fragen historischer Korrektheit liefert »W. E.« mit seiner Pro-Wallis- Perspektive in jedem Fall die perfekte Ergänzung zum oscargekrönten The King’s Speech. Wo dort alle Sympathien aufseiten des von Colin Firth gespielten stotternden Bruders lagen, der sozusagen Edwards hingeschmissenen Job übernehmen muss, ruft »W. E.« zum Mitgefühl für Wallis' keineswegs einfaches Schicksal auf. Die größte Romanze aller Zeiten zu erleben, war keine Garantie auf das große Glück.

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