Kritik zu Toy Story 5
Der neue Teil des beliebten Franchise thematisiert die Auswirkungen moderner Technologie auf Kinder.
Der Anfang des Films ist gleichermaßen rätselhaft wie programmatisch: rätselhaft, weil wir nicht erfahren, was die Menge von Buzz-Lightyear-Figuren auf eine tropische Insel verschlagen hat und zu welcher Mission sie auf einem selbstgebastelten Floß aufbrechen (das wird erst ganz am Ende des Films deutlich). Programmatisch, weil wir annehmen können, dass sie hier vielleicht entsorgt wurden oder aber zumindest niemand mehr Interesse an ihnen hat, denn: »Die Zeit der Spielzeuge ist vorbei!« Dieser Satz fällt erst später, aber er benennt die Stoßrichtung von »Toy Story 5«: Die Spielzeuge müssen nicht mehr nur damit kämpfen, dass die Kinder, denen sie gehören, zu alt für sie werden und sie auf dem Dachboden oder bei einem Umzug vergessen (wie in früheren Filmen der Reihe). Ihnen erwächst auch nicht nur Konkurrenz durch Spielzeuge, die einfach neu sind oder technisch anspruchsvoller (wie Buzz Lightyear, der eben fliegen konnte), sondern durch solche, die eine ganz andere Form der Kommunikation ermöglichen – aber damit auch die Fantasie des Kindes einschränken, das sich bei leblosen Puppen eben selber Aktivitäten mit ihnen ausdenken musste.
Der neue Widersacher in der eigentlichen Haupthandlung trägt den Namen Lilypad, ein grünes Tablet in Froschgestalt. Es spricht nicht nur, sondern vermeint auch zu wissen, was das Beste für die achtjährige Bonnie ist. Nämlich die (Online-)Freundschaft mit drei Mädchen, die bereits länger Tablets besitzen. Aber wird die schüchterne Bonnie, die es bisher nicht geschafft hat, andere Kinder anzusprechen und sie zu fragen, ob sie mit ihr spielen wollen, diesen Vorsprung je aufholen können?
Im vorangegangenen Teil wurde die Verantwortung der Spielzeuge herausgefordert durch Forky, ein von Bonnie selbst gebasteltes Spielzeug, das sich aus Bestandteilen aus dem Müll zusammensetzte und deshalb mit seiner Identität rang, bis die anderen Spielzeuge ihm klarmachen konnten, dass sie es als eines der ihren akzeptierten. Dieses Mal wird der Antagonismus zwischen altem und neuem Spielzeug im Verlauf der Geschichte komplexer: Zum einen begreift Lilypad ihren Fehler, erkennt die drei Mädchen (die Bonnie hänseln, weil sie noch mit Spielzeugen spielt) als falsche Freundinnen und wird zu einem hilfreichen Verbündeten, um Bonnie zu helfen. Zum anderen treffen die Spielzeuge auf elektronische Geräte, die selber als schon veraltet in Schubladen vor sich hindämmern, aber bei erneuter Aufladung zeigen können, was alles in ihnen steckt, zumal wenn sie ihre unterschiedlichen Fähigkeiten miteinander verbinden. Das ist ein überzeugendes Plädoyer gegen die Wegwerfmentalität. Und auch die Fantasie der Spielzeuge selber wird gewürdigt, wenn sie eine Ballszene in einen Agentenfilm und eine Hochzeit in ein Murder Mystery verwandeln (wobei in der Gestaltung auch auf Zeichentrickelemente zurückgegriffen wird). Schön auch, dass das Altern Woodys nicht verschwiegen wird – die kahle Stelle am Hinterkopf ist unübersehbar, aber dass er sich als »Wampen-Woody« beleidigen lassen muss, geht dann doch zu weit.




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