Kritik zu Short Cut to Hollywood

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Drei Verlierer suchen auf dem Weg zum Ruhm eine Abkürzung und scheuen dabei keine Opfer. Regisseursduo Marcus Mittermeier und Jan Henrik Stahlberg greifen in medienkritischer Absicht erneut zum Stilmittel des Trashfilmens

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Mockumentary ist das falsche Wort für die Form, die Regisseur Marcus Mittermeier und Schauspieler Jan Henrik Stahlberg 2003 für ihr aufsehenerregendes Debüt »Muxmäuschenstill« gefunden hatten. Der Film übersetzte den Verdruss über die mentale Verfassung unseres Landes, in dem Dieter Bohlen und Roland Koch Figuren öffentlichen Interesses sind, in die Figur eines selbstgerechten Sozialrambos, der seinen mitunter kleinbürgerlichen Vorstellungen von Recht, Ordnung und Anstand gnadenlos Geltung verschaffte. Das Lebensnahe an dem Film war dem Zeitkommentar und seinem Budget geschuldet, weshalb es sich als Genre treffend wohl als mitunter dokumentarisierende Low-Budget-Fiktion beschreiben lässt.

2006 legte Stahlberg, diesmal ohne Mittermeier, nach. »Bye Bye Berlusconi«, von einem ähnlichen Gefühl sogenannten gesunden Menschenverstandes in einer absurden Welt getrieben, verhandelte der Film eine fiktive Entführung und Gerichtsverhandlung gegen ein Double des skandalösen italienischen Ministerpräsidenten. »Bye Bye Berlusconi« unterstrich den politischen Impuls von Stahlbergs Arbeit und paarte ihn zugleich mit einer kabarettistischen Form der Kritik.

Stahlberg hat sich auf diese Weise als ein Schauspieler positioniert, der mehr ist als der Dienstleister fremder Regisseure und Drehbuchschreiber, nämlich der method actor seiner eigenen Ambitionen von Autorschaft und Realität. Damit einher geht ein Aufbruch in die weite Welt: Nach Deutschland ging es nach Italien und nun sucht Stahlberg, wieder mit Mittermeier als Regisseur und Co-Darsteller, den »Short Cut to Hollywood«.

Leider verhält sich die steigende Weltläufigkeit dieser Satiren umgekehrt proportional zu ihrer Qualität: »Short Cut to Hollywood« ist ein auf eine erschreckende Weise langweiliger Film, der sich vom unausgegorenen Witzfilmdreh pubertierender Amateure nur durch seine professionellere Technik unterscheidet. Der Film erzählt von einem Taugenichts (Stahlberg), der mit zwei Schulfreunden (Mittermeier, Christoph Kottenkamp) nach Amerika reist, um einer verfrühten Midlife-Crisis entgegenzuarbeiten. Irgendwann wird sowieso gestorben, also kann der Traum vom großen Wurf, von Startum und Berühmtheit wenigstens gewagt werden. Dabei ist körperlicher Einsatz gefragt: Weil er als fingeramputierter Sängercowboy nicht auf die Titelseiten kommt, lässt sich der nicht mehr ganz junge Mann einen Arm abnehmen und von einem Fernsehsender schließlich auf den Countdown seines Sterbens festlegen.

Eine unerhörte Geschichte, wie man meinen möchte, die der Film jedoch derart voreilig inszeniert, dass einem die blödeste Medienwelt sympathischer wird als solch eine pauschalierte Form von Kritik daran. So mischen sich in »Short Cut to Hollywood« Kulturpessimismus, Kabarett und Pennälertum (Stahlberg heißt »J.F. Salinger«, seine Gruppe die »Bagdad Street Boys«) aufs Trübeste. Und vor allem hechelt der Film einer Realität hinterher, die es nicht mehr gibt: Der Weg zur Bekanntheit in unserer medialisierten Welt führt nicht über den Tod, sondern über Dieter Bohlens Castings.

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