Kritik zu Anni felici – Barfuß durchs Leben

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Die Familie, ein Schuss Künstlerdrama und der ewige italienische Sommer sind die Protagonisten des dritten Familienfilms von Daniele Luchetti, in dem er über sich selbst erzählt 

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Vom Titel »Anni felici« (Glückliche Jahre) darf man sich nicht täuschen lassen. Da spielt schon die Verklärung einer Kindheit hinein, die in den 70ern zu Zeiten pädagogischer Experimentierfreude nicht mehr so geordnet ablief wie anno dazumal. Doch geht es eigentlich mehr um die Krisen der Eltern, die ihre Vorbildrolle über Bord geworfen haben, als um die beiden Söhne, die unfreiwillig in die Zuschauer- und Mitwisserrolle zwischen den streitenden, doch sich immer wieder versöhnenden Parteien gedrängt werden. Alles dreht sich um Papa (Kim Rossi Stuart), der unbedingt als Avantgardekünstler in die Geschichte eingehen will, aber nicht viel mehr als einen Abklatsch von Yves Klein zustande bringt. Er gibt sich gern als Exzentriker, zielt dabei jedoch auf die Akzeptanz in einer von Moden geprägten Kunstszene, die der heutigen verdammt ähnlich sieht. Doch wir befinden uns im Sommer 1974 – Mama (Micaela Ramazzotti) hält zu Papa, wiewohl der im Kreis seiner Models auch gern den Pascha gibt, und sorgt für das Wohl der Familie. Gelegentlich muss dann allerdings das Taschengeld der Kleinen wieder eingezogen werden, um über die Runden zu kommen.

Doch allzu dramatisch muss man sich dieses familiäre Durcheinander nicht vorstellen. Der Film verlässt nicht den bequemen Pfad des Feelgoodmovie, das sich mühelos in das eher anspruchslose durchschnittliche italienische Filmangebot der letzten Jahrzehnte einreiht und keinem wehtut. Wenn sich der kleine Dario als Erstes vor die Kamera stellt, um sich mit dem Satz »Das bin ich« als Erzähler, Wortführer und Alter ego des Regisseurs vorzustellen, ist nicht so etwas wie Abrechnung mit den Eltern angesagt, sondern die nostalgische Beschwörung jener unbeschwerten Jahre, die nicht unbedingt das angespannte politische Klima Italiens im Schlepptau der 60er auf der Agenda haben. Allenfalls sorgt eine Prise Frauenbewegung für Aufregung, denn Mama wagt sich heraus aus dem ursprünglich stockbürgerlichen Familienhintergrund und verbringt zusammen mit der Galeristin ihres Mannes (Martina Gedeck) ihre Ferien in einer lesbischen Strandkommune. Wehe, wenn sie losgelassen! Jetzt kommen auch endlich die Kinder zu ihrem angekündigten Mitspielrecht.

Regisseur Daniele Luchetti erinnert sich, wie er selbst sagt, am liebsten an das Gefühl oder besser den Geruch, den die Verpackung der Super-8-Filme in seiner Jugend verströmten. Er betrauert den Verlust des Films, die Existenz von negativ und positiv, hat vielleicht zum letzten Mal auf »Film« drehen können. Nur – zu nutzen versteht er diese Gnade nicht. In der zweiten Hälfte des Films sorgen allenfalls die Homemovies und die wilde Handkamera für etwas filmsprachliche Abwechslung. Eine Erzählhaltung ist diesem Film nicht anzumerken, der, wie Hauptdarsteller Kim Rossi Stuart berichtet, während der Dreharbeiten noch zwischen Problemfilm und Komödie schwankte. Die leichte Sommerbrise und der immerblaue Himmel werden es schon richten, mag sich der Regisseur zuletzt gedacht haben. Das ist schließlich auch schon was. 

Meinung zum Thema

Kommentare

Hallo
der Film hat mir gut gefallen. Ebenso die Musik. Vor allem die klassischen Teile.
Können Sie mir bitte eine Liste der Titel senden?
Danke im voraus
Grüße aus Würzburg
Dieter

Lieber Dieter, der Soundtrack von Franco Piersanti ist hier zu erwerben.

Eine Tracklist habe ich bei iTunes gefunden.

Ich hoffe geholfen zu haben. Besten Gruß aus der Redaktion, Christian

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