Filmverrückter Diktator

»The Lovers and the Despot« (2016)

Manchmal werden Fiktionen von der Geschichte eingeholt, und Schauspieler müssen um ihr Leben spielen. Einen irrwitzigen Plot rollt die Doku »The Lovers and the Despot« auf, mit bizarren Verbindungen zu Seth Rogens Diktatorenveralberung »The Interview«: Ende der siebziger Jahre fragte sich der nordkoreanische Diktator Kim Jong-il, warum eigentlich auf den Festivals der Welt keine Filme seines Landes liefen, warum die alle so vorhersehbar waren und immer darauf hinausliefen, dass die Menschen für den großen Führer starben. Um Abhilfe zu schaffen, nahm er ein berühmtes Filmpaar aus Südkorea ins Visier, den Regisseur Shin Sang-ok und seinen Star Choi Eun-hee. Unter dem Vorwand eines Rollenangebots lockte er die Schauspielerin an, um sie im Speedboot nach Nordkorea zu verschleppen. Ihr Regisseur ging in die Falle, als er versuchte, das Geheimnis um seine verschwundene Exfrau zu lüften. In Nordkorea bekamen die beiden dann bald viel größere Budgets und Carte blanche, drehten 17 Filme in knapp drei Jahren, bevor sie in den Westen entkamen. Die absurden Gespräche mit dem filmverrückten Diktator nahmen sie heimlich auf; mit ungläubigem Entsetzen lauscht man diesem Mix aus Realsatire und Spionagefilm.

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