Filmfriend: »Disco Afrika«

© We Film Productions

Der junge Kwame versucht, sich in seiner Heimat Madagaskar durchzuschlagen

Der Plan, mit dem illegalen Schürfen von Saphiren reich zu werden, geht auf fürchterliche Weise schief, und nachdenklich kehrt Kwame aus dem entfernten Dschungel in die Hafenstadt zu seiner Mutter zurück. Seine Ratlosigkeit in Bezug auf sein weiteres Leben trifft auf unruhige gesellschaftliche Zustände. Die einen demonstrieren gegen die Korruption, gegen die Stromausfälle, gegen die desolate Lage. Die anderen nutzen das Durcheinander aus Protesten und Polizeigewalt, um ihr Schäflein ins Trockene zu bringen. Es dauert nicht lange, dann steckt Kwame in der Klemme; er fragt sich, was wohl sein Vater getan hätte? Der war ein fröhlicher Musiker und politisch engagiert, er nahm eine legendäre Schallplatte auf und verschwand im Zuge einer Auseinandersetzung mit der Polizei. Lange ist das her, keiner weiß, wo sein Leichnam verscharrt wurde, und sein Geist ist rastlos.

Denn die Ahnen sind wichtig auf Madagaskar, wo Luck Razanajaona sein Spielfilmdebüt »Disco Afrika« angesiedelt hat. Der Film feierte 2024 in der Sektion Generation der Berlinale seine Weltpremiere und war Madagaskars Einreichung für den Auslandsoscar. »Disco Afrika« ist Beispiel für ein Kino, das gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und sich als Diskussionsbeitrag versteht, denn die Frage, mit der Kwame konfrontiert ist, stellt sich zigmillionenfach: Wie wollen wir leben? Und was wollen und können wir für ein gerechteres Miteinander tun? Die »madagassische Geschichte«, die Razanajaona erzählt, geht nicht nur die Einwohner der gut 400 km vor Afrikas Ostküste gelegenen Insel etwas an, die den Lemuren, Chamäleons und Strahlenschildkröten Heimat ist und eines der ärmsten Länder der Welt. Eben darin liegt die Qualität dieses sichtlich mit bescheidenen Mitteln entstandenen Films: Mit seiner nachvollziehbaren Geschichte überwindet er Grenzen und erzählt uns etwas über die Welt, vor allem, dass wir sie teilen.

Zu sehen ist »Disco Afrika« auf »Filmfriend«, dem im Juli 2017 ins Leben gerufenen Filmportal der öffentlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Dessen Angebot ist für Inhaber eines Ausweises der angeschlossenen Institutionen kostenlos. Die Betreiber des Portals (die Potsdamer Filmwerte GmbH) kümmern sich auch um die praktische Filmvermittlung – so organisierten sie beispielsweise im Frühjahr 2025 in Kooperation mit dem Verleih eine Kinotour von »Disco Afrika«, bei der der madagassische Regisseur für Publikumsgespräche zur Verfügung stand. Das Angebot des Portals mit Schwerpunkt auf dem europäischen Arthousekino versammelt derzeit über 3000 Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilme sowie etwa 200 Serien; viele davon sind in Originalfassung mit Untertiteln abrufbar. Und wer Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung hat, dem helfen Themenkollektionen, die nicht von einem Algorithmus zusammengebastelt werden, sondern persönlich kuratiert sind.

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