Nachruf: Moritz de Hadeln
21.12.1940 – 4.7.2026
Als Moritz de Hadeln im Jahr 1979 die Direktion der Internationalen Filmfestspiele Berlin übernahm, da lag immer noch ein Hauch des Images vom Kalten-Kriegs-Festival, vom »Schaufenster der freien Welt«, über der Veranstaltung. Erst Mitte der Siebziger liefen die ersten Filme aus Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs in Berlin, »Jakob der Lügner« von Frank Beyer aus der DDR 1975. Und durch den Skandal um »The Deer Hunter« auf der Berlinale 1979 (noch unter der Leitung von Wolf Donner), bei dem die sowjetische Delegation unter Protest das Festival verließ, war das Verhältnis zu Osteuropa wieder zerrüttet.
De Hadeln hat in den zwei Jahrzehnten seiner Leitung ein, wenn man es heute Revue passieren lässt, unglaublich vielfältiges Programm in dem von ihm verantworteten Wettbewerb zusammengestellt. Schon 1980, in seinem ersten Jahr, gelang es ihm, »Solo Sunny« aus der DDR in den Wettbewerb zu holen; er normalisierte wieder die Beziehungen zur UdSSR. Und er hat, was auch damals schon nicht ganz einfach war, ambitionierte Big-Budget-Filme aus den USA in den Wettbewerb gelockt, etwa den heute vollkommen vergessenen (aber großartigen!) Spielberg-Film »Empire of the Sun«, »Das Schweigen der Lämmer« oder den späteren Arthouse-Hit »Magnolia«. Natürlich auch, um Stars auf den roten Teppich zu holen. Die deutsche Filmkritik dieser Jahre war unverständlicherweise selten auf seiner Seite, obwohl sein Wettbewerb immer auch reich an cinephilen Entdeckungen war. »Rotes Kornfeld«, Zhang Yimous erster Film, lief 1988 in Berlin. Dass die Branche de Hadeln in den achtziger Jahren aber schlechte Deutschkenntnisse vorgeworfen hat, zeigt auch die Kleingeistigkeit jener Jahre.
De Hadeln wurde in Großbritannien geboren und besaß sowohl die britische wie die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er war ein Kosmopolit. Er arbeitete als Dokumentarfilmer und Fotograf, gründete zusammen mit seiner Frau Erika 1969 das Dokumentarfilmfestival von Nyon und leitete fünf Jahre das Festival von Locarno. Er war als Festivalmacher pragmatisch – aber auch standfest. Als ihm das Bundesministerium des Innern wegen Achternbuschs »Heilt Hitler!« und »Stammheim« von Reinhard Hauff auf den Füßen stand, verwies er auf sein künstlerisches Mandat.
De Hadeln ist nicht nur die Sektion Panorama zu verdanken, sondern auch der European Film Market. Er organisierte noch auf politischen Wunsch den Umzug des Festivals an die Architekturbrache des Potsdamer Platzes, dann wurde er ziemlich unsanft durch Dieter Kosslick ersetzt. In seinem letzten Jahr, 2001, gewann »Intimacy« von Patrice Chéreau. Das sagt auch was. Die Berlinale hatte ihre stärksten Jahre sicherlich unter Moritz de Hadeln.





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