Nachruf: Catherine O'Hara

Mondän und schräg
Foto: John Sears (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Catherine_O'Hara_at_the_2024_Toronto_International_Film_Festival_(cropped).jpg), „Catherine O'Hara at the 2024 Toronto International Film Festival (cropped)“, https://creativecommons.org/licenses/by

Foto: John Sears

4.3.1954 – 30.1.2026

Späte Comebacks sind selten, besonders für Schauspielerinnen. Komplexe Frauenfiguren jenseits der 40 sind – vor allem in Hollywood – noch immer Mangelware. Trotzdem war Catherine O'Hara zuletzt wieder sehr erfolgreich in Serien vertreten. Von 2015 bis 2020 spielte sie die mondäne, leicht schräge, aber immer stilvolle Matriarchin Moira Rose, die plötzlich verarmt mit ihrer Familie in der abgelegenen Kleinstadt »Schitt's Creek« landet. In der kanadischen Serie konnte sie ihr perfektes Timing für komödiantische Stoffe sechs Staffeln lang demonstrieren.

Als Executive eines Filmstudios in Seth Rogens »The Studio« (2025) wird sie zwar geschasst und muss ihren Posten an den rückgratlosen Matt Remick (Rogen selbst) abtreten, feiert dann aber als Produzentin Patty Leigh in der Serie große Erfolge. Sie bereichert hier jede Szene, in der sie das Chaos-Team rund um Rogen mit ihrer Präsenz erdet, ohne je den Witz zu verlieren. Berühmt wurde sie aber durch den legendären Ausruf »Kevin!«. Es gibt wohl keinen Menschen, der zwischen 1980 und 2000 geboren ist, der bei diesem Wort nicht sofort O'Haras von einer perfekt frisierten Dauerwelle roten Haares umrahmtes Gesicht vor Augen hat, kurz bevor sie die eisblauen Augen nach oben verdreht und in Ohnmacht fällt. Im Weihnachts-Kultfilm »Kevin – allein zu Haus« (und zwei Jahre später »Kevin – allein in New York«) spielte sie zwischen Überforderung, Strenge, Wärme und unbändiger Mutterliebe die archetypische Löwenmama der späten 1980er / frühen 1990er Jahre. In vielen Nachrufen wurde sie gar als »Mutter der Millennials« bezeichnet.

Nach ihren Anfängen in der kanadischen Comedyszene (»Second City Television« mit John Candy, Rick Moranis und Eugene Levy) erreichte sie durch die Kevin-Filme ihren vorläufigen Karrierehöhepunkt. Danach war sie zwar hin und wieder präsent, aber es wurde fast 20 Jahre lang ruhiger um sie. Und plötzlich, wie es nur selten geschieht, feierte sie (auch dank des Serienbooms) mit über 60 ein großes Comeback in extravaganten Rollen, die gleichermaßen glamourös und goofy sein konnten. In »The Studio« gewinnt ihre Figur sogar einen Golden Globe – analog zu ihrem eigenen späten Erfolg, der ihr 2020, 38 Jahre nach ihrem ersten Emmy, eine zweite Trophäe für »Schitt's Creek« einbrachte. Am 30. Januar ist Catherine O'Hara mit 71 Jahren verstorben.

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