Kritik zu Hope

© MUBI

2026
Original-Titel: 
Hopeu
Filmstart in Deutschland: 
08.10.2026
V: 
L: 
160 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Ein Dorf wird von geheimnisvollen Kreaturen attackiert: Na Hong-jins Film ist rasantes und sehr eigenwilliges Genrekino.

Bewertung: 4
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In der Umgebung von Hope Harbor, einem südkoreanischen Dorf nahe der demilitarisierten Zone zu Nordkorea, stößt eine Gruppe Jäger auf einen übel zugerichteten Ochsen. An die Theorie, dass sich ein Tiger in die Gegend verirrt hat, mag Polizeichef Bum-seok (Hwang Jung-min) nicht recht glauben; er wird bestätigt, als er im Dorf auf eine Schneise der Verwüstung trifft. Hier wütet kein Tiger, sondern eine monströse Kreatur.

Zu sehen bekommt man diese Kreatur zunächst nicht, sondern hört nur ihr Brüllen sowie die Schüsse und Rufe der Bewohner. Und man sieht die Folgen der Kämpfe: Trümmerfelder wie im besten Katastrophenfilm, zwischendurch wird mal eben ein Auto durch die Luft geschleudert. Als man die Kreatur endlich zu Gesicht bekommt, entsteht eine andere Art von Konfusion, denn das CGI wirkt wie aus einem alten Computerspiel. Viel Zeit, um sich über die kuriose Optik Gedanken zu machen, bleibt aber nicht. Denn Regisseur Na Hong-jin inszeniert nach dem mysteriösen Beginn ein atemloses Actionspektakel, in dessen Verlauf Bum-seok mit Unterstützung der Nachwuchspolizistin Sung-ae (Jung Ho-yeon) – die deutlich tougher agiert als der träge Chef – versucht, das Monster zu erlegen. Angetrieben vom epischen Score (Michael Abels) gibt es Panoramafahrten über das zerstörte Dorf und die umliegenden Landschaften, rasante Verfolgungsjagden mit dem Auto, wilde Schusswechsel und unheimliche Versteckspiele zwischen den Trümmern. Bis die Kreatur tatsächlich erlegt ist, wird man als Zuschauer ordentlich durchgeschüttelt.

Nach diesem rasanten ersten Teil kann man dem weiteren Verlauf des satte 160 Minuten langen Films vorwerfen, dramaturgisch unausgegoren zu sein. Gleichzeitig liegt auch ein gewisser Reiz darin, bis zum Schluss nicht so recht zu wissen, was der Film eigentlich noch erzählen möchte. Bum-seok und Sung-ae finden heraus, dass es sich bei der Kreatur um ein Alien handeln muss und dass es offenbar noch weitere gibt. Während sich die beiden also aufmachen, die anderen Alien-Vertreter ausfindig zu machen, ist der eingangs erwähnte Jäger-Trupp ihnen im Wald bereits ganz nah gekommen.

Das Ganze endet erneut mit einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd, doch dazwischen wechselt »Hope« immer wieder die stilistische Tonart: Einerseits entfalten sich existenzielle Überlebenskämpfe, deren Hektik unmittelbar spürbar ist, zugleich wird das Geschehen regelmäßig von makabrem Humor durchbrochen. Wenn eine Wissenschaftlerin sich schreiend und mit Kettensäge bewaffnet an die Obduktion des Aliens macht, wirkt das wie grotesker Splatter und der Bericht eines Dorfbewohners, der den Kreaturen im Wald begegnet ist, während er eigentlich seine Notdurft verrichten wollte, geht fast in Richtung Comedy.

Zugleich bildet sich noch eine ganz andere existenzielle Frage heraus: Werden Menschen im Angesicht einer Bedrohung selbst zu Monstern? Denkt man an den von militärischen Spannungen geprägten Handlungsort, ist das auch eine Frage mit politischer Note. In »Hope« haben alle Protagonisten schnell eine Waffe zur Hand und schießen teils so wild drauflos, dass es auch mal den Falschen trifft. Und dann gibt es im ersten Teil noch eine Zeitlupen-Sequenz, in der man im Wechsel den aus dem Auto schießenden Bum-seok und das Gesicht der Kreatur sieht, das irgendwo zwischen Hyperrealismus und Abstraktion gestaltet ist. In diesem Gesicht spiegelt sich keine Aggression, sondern Furcht. Wer ist hier als Erstes auf wen losgegangen? So ganz klar ist das nicht.

Dass bei den Aliens später eine komplexere Hintergrundgeschichte angedeutet wird, verstärkt den Eindruck, man könnte das Geschehen zunächst falsch eingeordnet haben. Ein wenig kann das frustrieren, denn Na Hong-jin hält zum Schluss einige Überraschungen parat, lässt aber auch viele Fragen unbeantwortet. Das mag daran liegen, dass er angeblich eine ganze Trilogie im Kopf hat. Man kann die offenen Fragen – ebenso wie das seltsame CGI – aber auch als bewusste Irritationen lesen. In einem Film, der nach allen Seiten ausschwärmende Genreunterhaltung bietet und dessen eigenwillige Erzählung im positiven Sinne vor den Kopf stößt.

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