Filmische Blicke auf Heimat – epd film Newsletter 15.10.2026

Filmische Blicke auf Heimat 

Was bedeutet Heimat im 21. Jahrhundert – und wie zeigt sie sich im Kinofilm? Die Frage stellt sich das am Freitag startende 40. Mannheimer Filmsymposium mit Vorträgen, Diskussionen und Filmvorführungen. Eine der Vortragenden ist die Filmwissenschaftlerin Lioba Schlösser, die schon oft als Gast beim Symposium dabei war und dieses Mal zu Heimat als Aushandlungsprozess queerer Identitäten referiert. Maxi Braun hat mit Lioba Schlösser über ihren Bezug zum Thema und der Bedeutung des Symposiums allgemein gesprochen.

Ein passender Kinostart zum Thema ist Volker Schlöndorffs »Heimsuchung« - die Romanvorlage von Jenny Erpenbeck hat es mittlerweile zum Abiturstoff gebracht. Ein Haus, das die Verwerfungen deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts passiv miterlebt: das erinnert ein wenig an das Sujet von »In die Sonne schauen«. Ein Vergleich, der aber nur bedingt passt, wie Barbara Schweizerhof in ihrer Kritik herausstellt.

Ein aktueller Trend ist unterdessen auch die Neuverfilmung von Literaturklassikern. Vor Kurzem erst ist mit »East of Eden« auf Netflix eine Serienadaption von John Steinbecks Roman erschienen, diese Woche startet mit »Sinn & Sinnlichkeit« eine neue Jane-Austen-Verfilmung im Kino.

von: 
Vom 16. bis 18. Oktober findet die 40. Ausgabe des Mannheimer Symposiums statt, diesmal zum ­Thema »Filmische Blicke auf Heimat«. Dr.

Netflix: »East of Eden«

Cherchez la femme: In dieser siebenteiligen Miniserie stellt Zoe Kazan in ihrer Neuinterpretation von John Steinbecks biblisch grundiertem Romanepos eine faszinierend böse Frau ins Zentrum.
Filme der Woche: 

Sinn und Sinnlichkeit

Dass sie in der Tat zu den spannendsten neuen Stimmen des britischen Kinos gehört, beweist Georgia Oakley nach ihrem queeren Debüt »Blue Jean« ausgerechnet mit einem klassischen Kostümfilm auf Basis eines Jane-Austen-Klassikers. Die exzellente, auf Realismus statt Glamour setzende visuelle Umsetzung sowie das hervorragende Ensemble um Daisy Edgar- Jones und Esmé Creed-Miles sind in »Sinn und Sinnlichkeit« geradezu meisterlich.

Heimsuchung

Volker Schlöndorff adaptiert Jenni Erpenbecks zum Schulstoff erhobenen Roman ganz im Sinn der Vorlage: als Erzählung mit einem Haus als zentralem Protagonisten (»gespielt« von Einsteins Sommerhaus in Caputh), das die Verwerfungen deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts passiv miterlebt. Gerade wegen den vielen großartig spielenden Schauspielern (Martina Gedeck insbesondere) leidet der Film etwas darunter, dass jede Figur auch schnell wieder Platz für die nächste Epoche machen muss.

Call Me Queen

Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt dieses Drama von der Freundschaft einer Journalistin mit einer alleinerziehenden Mutter aus den Slums von Nairobi, die eine Graswurzelbewegung für den Zugang zu HIV-Medikamenten gründet: ein spannendes, wiewohl im Detail etwas unbefriedigendes Drama über die Verheerungen der Aidsepidemie in Afrika und die globale Ungerechtigkeit des Patentschutzes für lebensrettende Medikamente.

Whalefall

In diesem Survival-Thriller nach einem biblischen Motiv nimmt die Spannung nach furiosem Beginn allmählich ab.