DVD-Tipp: »Verspätung in Marienborn« (1963)

»Verspätung in Marienborn« (1963). © Pidax

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Rolf Hädrich verfilmte 1963 ein konzentriertes Drehbuch von Will Tremper.

Ein Mann springt auf einen Zug, um in die Freiheit zu kommen. Die Freiheit, das ist der Westen. In der DDR durfte der 24-Jährige nicht mehr studieren, nachdem seine Eltern, noch vor dem Bau der Mauer, in die BRD übergesiedelt waren. Da es sich um einen amerikanischen Militärzug handelt, dessen Passagierliste von den Amerikanern geprüft und den Sowjets übermittelt wird, wähnt sich der Mann in Sicherheit. Das ist ein Fehler, wie sich am Grenzübergang Marienborn herausstellt, als sowjetische Soldaten den Zug anhalten und seine Herausgabe verlangen. 

Der deutschen Teilung hat sich der bundesrepublikanische Film eher selten angenommen, vermutlich wollten die Zuschauer das im Kino, zumal dem der Ära Adenauer, nicht sehen; Helmut Käutners »Himmel ohne Sterne« (1955) ist eine der wenigen Ausnahmen. Auch der Mauerbau blieb fast gänzlich ein Thema für das Fernsehen statt für das Kino – so ist es nicht verwunderlich, dass die internationale Koproduktion »Verspätung in Marienborn« wesentlich auf Initiative des Fernsehens zustande kam.

Der Vorspann nennt als Drehbuchautoren Norman Borisoff, Rolf Hädrich und Victor Vicas sowie »Buch von Will Tremper«. Borisoff und Vicas waren wohl an der amerikanischen Fassung beteiligt, es war Tremper, der 1964 bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises die Auszeichnung für das Drehbuch erhielt. Er hatte den Stoff zuerst 1962 als Fortsetzungsroman in einer Illustrierten veröffentlicht, wollte ihn selbst inszenieren, was durch den Konkurs der Produktionsfirma verhindert wurde. Hilfe kam vom Hessischen Rundfunk in Gestalt von Rolf Hädrich, der dort als Fernsehspielchef tätig (und mit Tremper befreundet) war. Als Fernsehregisseur und späterer Leiter des Fernsehspiels beim NDR wurde er vor allem für seine literarischen Adaptionen bekannt.

Während der Zugkommandeur, ein US-Offizier, den Flüchtling auf keinen Fall ausliefern will, auch wenn er damit seine Karriere aufs Spiel setzt, sind sich seine aus Berlin herbeigeeilten Vorgesetzten uneins, doch als sie die Existenz des Flüchtlings gegenüber den Sowjets nicht länger leugnen können, unterwerfen sie sich der Staatsräson. Indem er die konträren Auffassungen der Mitfahrenden einfängt, findet der Film ein schönes Gleichgewicht, das allerdings von dem Star des Films, José Ferrer als arrogantem amerikanischem Reporter, immer wieder aus der Balance gebracht wird. Es soll unterschiedliche Fassungen verschiedener Länge geben – dazu hätte man gern etwas erfahren. Diese Veröffentlichung beschränkt sich auf die deutsche Synchronfassung – trotzdem verdienstvoll.

 

 

VÖ: 10. Juni 2026

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