Kritik zu Das Ding mit Federn
Nach dem unerwarteten Tod seiner Ehefrau verwandelt sich ein trauernder Mann Stück für Stück in ein düsteres gefiedertes Wesen.
Ein Comiczeichner (Benedict Cumberbatch) wird von einem schweren Schicksalsschlag heimgesucht. Seine Frau liegt tot in der Küche. Daraufhin verliert der Witwer den Boden unter den Füßen. Der Brite Dylan Southern, bekannt durch Musikdokumentationen wie »Oasis – Don’t Look Back in Anger«, greift in seinem Spielfilmdebüt auf Max Porters Vorlage »Grief Is the Thing with Feathers« von 2015 zurück. Im Gegensatz zu dieser Mischung aus Prosa, Poesie, Drama und Fabel, in der die Form selbst zum Ausdrucksmittel der Trauer wird, illustriert Southern die Qual des Verlustes als vergleichsweise konventionelles Kammerspiel.
Hektisch wirft der gramgebeugte Künstler mit dem Kohlestift Striche aufs Papier. Seine Hand verkrampft sich wie die Kralle eines Vogels. Spannend ist diese Heimsuchung, weil anfangs nur flatternde Federn zu sehen sind. Dem versierten Darsteller Benedict Cumberbatch nimmt man diese Metamorphose ab. Da die tote Ehefrau nie in Rückblenden auftaucht und auf Fotos nur schemenhaft zu erahnen ist, gleitet das Drama nicht ins Kitschige ab. Gelegentlich, wenn der verzweifelte Witwer sich in seinen düsteren Gedanken verirrt, verwandeln sich die Gänge der Supermarktregale in ein Labyrinth. Auch die Wut auf die Verstorbene, die sich einfach so aus dem Staub gemacht hat, wird spürbar.
Doch bald schon hat der Trauernde einen Vogel, und zwar buchstäblich. Der von Visionen gepeinigte Künstler ringt mit einem Dämon, dessen Creature Design wie eine düstere Variante des großen gelben Vogels Bibo aus der Sesamstraße anmutet. Unheimliche Mystery-Szenen, die den Schmerz des Verlustes als etwas Unfassbares erahnbar machten, weichen einer allzu konkreten Symbolisierung der Trauer durch eine Horrorfigur.
Für die quälende Ambivalenz dieser Trauerarbeit findet Southern letztlich keine durchweg überzeugende visuelle Umsetzung. Da die Perspektive auf die Trauer am Ende konventionell bleibt, erscheint der Film trotz knapper neunzig Minuten etwas langatmig.





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