Netflix: »East of Eden«

»East of Eden« (2026), © Netflix

»East of Eden« (2026), © Netflix

Cherchez la femme: In dieser siebenteiligen Miniserie stellt Zoe Kazan in ihrer Neuinterpretation von John Steinbecks biblisch grundiertem Romanepos eine faszinierend böse Frau ins Zentrum.

Der Filmklassiker »Jenseits von Eden« (1955) von Elia Kazan wurde dank James Dean zur Legende. In seiner ersten großen Rolle als schöner, verzweifelt um die Liebe seines Vaters ringender Jüngling wurde er zum Teenageridol. Hatte Kazan sich auf das letzte Viertel von John Steinbecks epischem Roman konzentriert, entrollt seine Enkelin Zoe als Produzentin und Drehbuchautorin der siebenteiligen Miniserie die gesamte Saga. Wer auf die Caleb-Interpretation gespannt ist, muss sich bis zum Ende gedulden. Hauptmotor der Geschichte ist stattdessen eine überlebensgroße Antiheldin.

Alles beginnt wie ein Horrorfilm, mit einem blutig geschlagenen, kaum noch als menschlich erkennbaren Wesen, das zur Farm der Brüder Adam und Charles kriecht. Die beiden haben sich gerade miteinander versöhnt, der autoritäre Vater, ein Kriegsveteran, ist tot und hat ihnen einen Haufen Geld hinterlassen. Adam pflegt die mysteriöse Cathy gesund, heiratet sie und zieht mit ihr von der Ostküste nach Kalifornien, wo er auf einer Hacienda einen Neuanfang wagt. Zwei Zwillingssöhne werden geboren, mit denen Adam schließlich in die Stadt Salinas zieht – wo inzwischen seine Nemesis Cathy Besitzerin eines florierenden Bordells ist.

Die generationenübergreifende Handlung erstreckt sich vom Ende des Sezessionskrieges bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. In jeder der sieben Folgen wird einer der Charaktere näher beleuchtet. Anders als im Roman fällt die Geschichte der befreundeten Familie Hamilton weitgehend unter den Tisch. Doch Lee, Adams chinesisches Faktotum, im Kinofilm unterschlagen, bekommt seine gewichtige Rolle zurück. Zugleich Philosoph und als Koch, Mentor und Ersatzmutter eine Allzweckwaffe, unterspielt er seine Intelligenz mit lustigem Pidgin-Englisch. Ganz zeitgeistig wird Rassismus gegenüber einer Minderheit angetippt, zudem wird Cathy, bei Steinbeck eine Ausgeburt der Hölle, in etwas milderes Licht gerückt. Verführerin, Diebin, Mörderin, Rabenmutter, manipulative Femme fatale: Diese Cathy, mit Bette-Davis-Augen grandios gespielt von Florence Pugh, ist eine faszinierende Figur. Ihre Schandtaten sind auch aus dem Drang nach Unabhängigkeit in einer männerdominierten Gesellschaft motiviert.

Das Kain-und-Abel-Motiv der in Hassliebe verbundenen Brüderpaare bekommt durch Cathy zusätzlichen Drive, verkörpert sie doch das ansteckende, vererbbare Böse. Der gute Adam wirkt hier in seiner Verblendung wie ein selbstmitleidiger Schwächling, während die Energie von Charles, Cathy und Caleb auch als Unternehmergeist gedeutet werden kann. So skizziert die Serie im Rahmen des Familiendramas das spannende Panorama der sich vom Agrarland in eine Industriemacht entwickelnden USA. Prallvoll mit Gewalt, Sex, großen Gefühlen und damit verwobenen existenziellen Fragen ist diese Miniserie eine angemessen zeitgenössische Literaturadaption, die überdies Lust auf die Romanlektüre macht.

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