Apple TV: »Tenzing«

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Jennifer Peedom schildert die Erstbesteigung des Mount Everest aus der Sicht des Sherpas Tenzing Norgay

Majestätisch und bedrohlich zugleich ragt das schneebedeckte Bergmassiv aus den Wolken. Genau 8.848 Meter hoch – fast neun Kilometer Fels und Gestein bilden das »Dach der Welt«, den Mount Everest. Fasziniert starrt ihn ein kleiner Junge namens Tenzing an, der als Erstbesteiger in die Geschichtsbücher eingehen wird. Er kennt »seinen« Berg als Chomolungma, die Göttin Mutter.

Gerade einmal 73 Jahre ist es her, dass erstmals ein Mensch auf dem höchsten Berg der Welt stand. Jahrelang lieferten sich europäische Expeditionen ein Wettrennen, um die Spitze des Everest als erste Nationen zu erreichen. Keiner gelang es. Bis am 29. Mai 1953 der Neuseeländer Edmund Hillary und der in Tibet geborene Sherpa Tenzing Norgay als Teil der britischen Mount-Everest-Expedition unter Leitung von John Hunt den Gipfel erreichten.

Regisseurin Jennifer Peedom schildert dramaturgisch konventionell die entbehrungsreiche Besteigung aus der Sicht von Tenzing (Genden Phuntsok). In Rückblenden wird erzählt, wie er mit seinen Eltern, einfachen Yak-Hirten, nach Nepal kommt, dort eine Familie gründet und schließlich nach Indien geht, um sich den Himalaya-Expeditionen als Helfer anzubieten. Peedom rückt damit die Leistungen der gern übersehenen Sherpas, die aus finanzieller Not, oft mit hohem Risiko und unter großen Strapazen, den Weg für die europäischen Bergsteiger bereiteten, in den Mittelpunkt ihres Films. »Wir schleppen ihnen ihr Zeug hoch, damit sie sich wie Helden fühlen können«, sagt der Sherpa Pasang im Film. Bereits 2015 ging Peedom dieser unterbelichteten Seite des Alpinismus im Himalaya in ihrer Doku »Sherpa« nach.

»Dies ist ein britischer Berg«, proklamiert selbstbewusst Expeditionsleiter John Hunt (Willem Dafoe). Großbritannien verlasse sich auf sie, und man wolle ja auch nicht die damals kurz vor der Krönung stehende Königin Elizabeth II. enttäuschen. Norgay versucht sich als Mittler zwischen den Welten: Als einziger local ist er offizielles Mitglied des Kletterteams und wird dafür von den anderen Sherpas beäugt, deren Respekt er sich (ebenso wie den der Briten) erst erarbeiten muss. Edmund Hillary (angenehm zurückhaltend: Tom Hiddleston) erkennt in Tenzing einen Partner auf Augenhöhe, den ganz andere Motive bewegen. Verwundert zeigt sich Tenzing über das Vokabular der Briten, die den Berg »belagern« und »erobern« wollen, während er darauf hofft, am Berg sich selbst (und vielleicht der Göttin) zu begegnen.

Seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass die Sherpas heute hohes Ansehen genießen und Nepalesen wie der kürzlich am Broad Peak verunglückte Nirmal Purja zu den populärsten Bergsteigern der Welt zählen (siehe die Dokumentation »14 Peaks«). Übrigens war Tenzing Norgay die korrekte Antwort auf die erste Millionenfrage bei »Wer wird Millionär?« im Jahr 2000: »Mit wem stand Edmund Hillary 1953 auf dem Gipfel des Mount Everest?«

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