Kritik zu Queens of the Dead

© Filmperlen

2025
Original-Titel: 
Queens of the Dead
Filmstart in Deutschland: 
29.10.2026
L: 
99 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Zombies meet Dragqueens: Tina Romero entfesselt in ihrem Langfilmdebüt ein unterhaltsames Spiel mit dem Genre des Zombiefilms, für das ihr Vater berühmt wurde.

Bewertung: 4
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»Dies ist kein George-Romero-Film, Zombies gibt es nicht«, verkündet der New Yorker Bürgermeister in einer beschwichtigenden Fernsehansprache an die Bevölkerung. Letzteres ist glatt gelogen, denn in der Welt von »Queens of the Dead« wird New York von einer großen Zombie-Attacke heimgesucht. Ersteres hingegen ist wahr: Hier ist nicht George A. Romero am Werk, sondern dessen Tochter Tina Romero. Dass sie mit ihrem ersten Spielfilm direkt in die Fußstapfen des berühmten Vaters tritt, zeugt gleichermaßen von Mut und der Liebe zu dessen Werk. Ein einfacher Abklatsch ist der Film aber zum Glück nicht, denn Tina Romero findet ihren ganz eigenen Zugang zum Genre. »Queens of the Dead« ist, wie sie es selbst beschreibt, die Verbindung von zwei Welten ihres Lebens: Zombies und Nachtleben.

DJ Dre plant im New Yorker Stadtteil Brooklyn eine große Lagerhaus-Party mit Drag-Show. Nachdem der Hauptact abgesagt hat und die Toiletten verstopft sind, bricht die große Zombie-Apokalypse aus und der Abend läuft endgültig aus dem Ruder. Dabei fährt der Film typische Effekte wie jump scares und explizit spritzendes Blut auf, es ist aber weniger ein echter Horrorschocker, sondern eher eine komödiantische Auseinandersetzung mit dem Genre. Ein Teil der Komik entsteht durch die Verbindung von klassischen Zombie-Elementen mit der modernen Welt. So verkündet ein Social-Media-Post zum richtigen Umgang mit Zombies: »Gehirn zerstören Hashtag Enthaupten Hashtag Kopfschuss«, und zwischendurch fahren die Protagonist*innen auf E-Rollern durch die Menge der langsam schlurfenden, schmatzenden Untoten. Vor allem aber ist »Queens of the Dead« Camp im besten Sinne, mit extravaganten Kostümen, Glitzer, Popmusik und Showeinlagen; die Figuren dürfen extra schrill schreien und die Facetten überzeichneter Diven ausspielen. Romero vereint dafür ein großartiges, ganz selbstverständlich diverses Ensemble, zu dem unter anderem Katy O’Brian (»Love Lies Bleeding«), Jack Haven (»I Saw the TV Glow«, »Teenage Sex and Death at Camp Miasma«), Musicaldarsteller Jaquel Spivey und Dragqueen Nina West gehören.

Wie so oft im Zombiegenre gilt es auch hier, sich als Gemeinschaft zusammenzufinden. Um den Angriffen der Zombies etwas entgegenzusetzen, muss die im Club zurückgebliebene Gruppe Eifersucht und Streitereien beilegen. Am Ende integriert sich selbst Vollblut-Hetero Barry, der nur zufällig anwesend und von trans Identitäten noch überfordert ist, in die queere Gemeinschaft und legt sogar eine passable Tanzeinlage hin.

Die Auseinandersetzung mit Identitätskonflikten und Vorurteilen knüpft an ein Element an, das schon die Filme von George A. Romero auszeichnete: die Verbindung von Horror und Gesellschaftskritik. In »Dawn of the Dead« fungierte die Shoppingmall als Allegorie auf den Kapitalismus, in »Queens of the Dead« sind es die Smartphones, auf die die Untoten paralysiert starren. Ein deutlicher Kommentar auf die auch im Film präsente Influencer- und Social-Media-Kultur. Der exzessive Drogenkonsum, an dem einige der Figuren zu zerbrechen drohen, kann zudem in Bezug zur Opioidkrise gesetzt werden.

Doch die Zombies werden auch noch von etwas anderem angezogen: Irgendwann entscheidet Dre, im Angesicht der Zombie-Apokalypse einfach die Party fortzusetzen. »Weißt du nicht, in welcher Situation wir uns befinden? Es geht um Leben und Tod«, wirft jemand noch ein. Doch Dre überzeugt die anderen mit den Worten: »Es geht immer um beides.« Die Subkulturen unterdrückter Communitys haben eben stets eine besonders existenzielle Bedeutung, man denke an »Blood & Sinners«, wo die Musik der Schwarzen die Kraft hat, Dämonen zu beschwören. Hier ist es die Clubkultur der LGBTQ+-Community, die auch als Gegenentwurf zu digitalem Narzissmus und Vereinzelung steht. Eine Drag-Party als Waffe gegen die Zombies: Damit eröffnet Tina Romeros Film trotz einiger tragischer Ereignisse im Grundsatz eine hoffnungsvollere Perspektive als manch andere Genrevertreter.

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