Aktuelles
09.10.2026
In den 50er und 60er Jahren war er neben Hitchcock der einzige Regisseur, dessen Gesicht weltweit bekannt war. Seither ist er nie ganz aus der Mode gekommen. Gerhard Midding gibt anlässlich einer Retro auf arte Empfehlungen.
05.10.2026
Als Retrospektive zeigte das Festival von San Sebastián eine Schau der Filme des Schriftstellers, Drehbuchautors und Regisseurs José Giovanni.
30.09.2026
Mike Leighs warmherziges Alterswerk »Tender Loving Care« war der große Gewinner des Filmfestivals von San Sebastián.
28.09.2026
Schon als er noch die High School besuchte, drehte der aus Florida stammende Lance Oppenheim kurze Dokumentarfilme, die zum Teil sogar im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Mit gerade einmal 30 Jahren legt Oppenheim nun seinen ersten Spielfilm vor: »Primetime« (aktuell im Kino) erzählt die wahre Geschichte der vor 20 Jahren sehr populären Reality-TV-Show »To Catch a Predator«.





Die Odyssee als Fantasy
Vor dem Film hatte ich die Odyssee noch einmal gelesen und war gespannt, wie Nolan die faszinierenden Szenen der Reise filmisch umsetzen würde. So schlimm wie es dann kam, hatte ich es nicht erwartet. Beinahe alle Herausforderungen wurden platt umgangen oder mit Bausteinen von der Stange abgehakt: die Laistrygonen, Kirke, der Hades, Skylla und Charybdis, die Sirenen -- eine Enttäuschung nach der anderen, die üblichen Versatzstücke des Fantasy-Genres. Mit dem Zyklopen Polyphem hat sich Nolan zwar noch etwas Mühe gegeben, aber auch hier hat er die homerische Pointe geradezu schlafwandlerisch verfehlt. Irgendwie aushalten muß man auch, daß die Griechen als Spiegel der bunten amerikanischen Bevölkerung vorgeführt werden (oder als das für was Nolan für einen solchen Spiegel hält); einige sehen wie Rapper oder Reggae-Sänger aus, und alle sprechen YouTube-Englisch (habe den Film im Original gesehen). Kurzum, eine kostümierte MacDonalds-Belegschaft. Penelope gewinnt als feministische Heulsuse eine Prominenz, die sie in Homers Text einfach nicht hat, und Odysseus erscheint uns als Wiedergänger Rambos, jedoch von einer Philosophie gequält, von der man nur ahnt, daß sie wohl irgendwie "tragisch" ist. Das Ganze ist, nicht sehr originell, mit dröhnender Musik unterlegt, um dem Zuschauer ein Spannungsgefühl aufzuzwingen, das sich visuell und erzählerisch nicht einstellen will. Das ist so öde, daß der Zuschauer dankbar ist, zuweilen seine Aufmerksamkeit auf die Kameratechnik lenken zu dürfen. Beinahe alles wird mit weit offener Blende gefilmt, bei Bewegungen wird der Fokus nachgeführt. Das ist gut gemacht und sorgt für einen einheitlichen "Look" mit schön verschwommenem Hintergrund und meist warmen Farben. Aber es ist über 3 Stunden halt immer dasselbe. Meine Neugier auf weitere Filme aus dem Nolan-Laden hält sich nach diesem Erlebnis in engen Grenzen.