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Vor dem Film hatte ich die Odyssee noch einmal gelesen und war gespannt, wie Nolan die faszinierenden Szenen der Reise filmisch umsetzen würde. So schlimm wie es dann kam, hatte ich es nicht erwartet. Beinahe alle Herausforderungen wurden platt umgangen oder mit Bausteinen von der Stange abgehakt: die Laistrygonen, Kirke, der Hades, Skylla und Charybdis, die Sirenen -- eine Enttäuschung nach der anderen, die üblichen Versatzstücke des Fantasy-Genres. Mit dem Zyklopen Polyphem hat sich Nolan zwar noch etwas Mühe gegeben, aber auch hier hat er die homerische Pointe geradezu schlafwandlerisch verfehlt. Irgendwie aushalten muß man auch, daß die Griechen als Spiegel der bunten amerikanischen Bevölkerung vorgeführt werden (oder als das für was Nolan für einen solchen Spiegel hält); einige sehen wie Rapper oder Reggae-Sänger aus, und alle sprechen YouTube-Englisch (habe den Film im Original gesehen). Kurzum, eine kostümierte MacDonalds-Belegschaft. Penelope gewinnt als feministische Heulsuse eine Prominenz, die sie in Homers Text einfach nicht hat, und Odysseus erscheint uns als Wiedergänger Rambos, jedoch von einer Philosophie gequält, von der man nur ahnt, daß sie wohl irgendwie "tragisch" ist. Das Ganze ist, nicht sehr originell, mit dröhnender Musik unterlegt, um dem Zuschauer ein Spannungsgefühl aufzuzwingen, das sich visuell und erzählerisch nicht einstellen will. Das ist so öde, daß der Zuschauer dankbar ist, zuweilen seine Aufmerksamkeit auf die Kameratechnik lenken zu dürfen. Beinahe alles wird mit weit offener Blende gefilmt, bei Bewegungen wird der Fokus nachgeführt. Das ist gut gemacht und sorgt für einen einheitlichen "Look" mit schön verschwommenem Hintergrund und meist warmen Farben. Aber es ist über 3 Stunden halt immer dasselbe. Meine Neugier auf weitere Filme aus dem Nolan-Laden hält sich nach diesem Erlebnis in engen Grenzen.

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