Kritik zu Bob Trevino Likes It
Als ihr emotional instabiler Vater Bob den Kontakt zu Lily abbricht, kommuniziert sie online mit einem Mann, der denselben Namen trägt – und findet eine Freundschaft.
Der Film beginnt mit bitteren Tränen. Lily Trevino (Barbie Ferreira, bekannt aus der Serie »Euphoria«) liest die Nachricht ihres Freundes, der sich bei einer Heidi für die schönen Stunden bedankt und sie dringend wiedersehen will. Anstatt ihm zu antworten, er solle sofort ihre Nummer löschen, schreibt sie mit einem Smiley »No problem!« Die Beziehung zerbricht dennoch. Neben ihrer Arbeit bei der gelähmten Daphne und gelegentlichen Treffen mit ihrem egozentrischen Vater Bob, der regelmäßig seine Geldbörse vergisst und sie bezahlen lässt, hat sie nicht viel Abwechslung im Leben.
Als sich ihr Vater auch noch von ihr lossagt, weil sie ihm bei einem seiner vielen erotischen Abenteuer in die Quere gekommen ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Im Internet sucht sie ihn und findet einen Mann mit demselben Namen, der ihr einen Like auf ihre Posts schickt. Bob Trevino wird trotz des Altersunterschieds von gut 25 Jahren ihr Freund, platonisch, doch von großer inniger Wärme. Auch er hat eine Geschichte, er und seine Frau verloren ihren Sohn, als der 21 Monate alt war. Eine neue Normalität hat sich danach nie eingestellt. Indem sie erst nur schriftlich und später auch real zusammenfinden, entsteht eine tiefe, ehrliche Verbundenheit, ohne gegenseitige Ansprüche oder Erwartungen, mit einem überraschenden Ende.
Mit ihrem zweiten Film nach »Girls, Girls, Girls« ist Tracie Laymon ein wunderbares Kleinod gelungen, das vom Leben erzählt, während es passiert. Sie selbst hat auf der Suche nach ihrem Vater im Internet einen Namensvetter angeschrieben und einen eigenen Bob gefunden. Ihm ist dieser Film gewidmet. Aber die Erfahrungswelt einer Außenseiterin, die eben anders ist als ihre Umwelt, auch das teilt Tracie Laymon mit ihrer Hauptfigur. In der Schule saß sie nach einem Unfall lange Zeit im Rollstuhl und musste mühsam wieder lernen zu laufen. Das hat ihre Weltsicht geprägt und ihre Augen für Menschen geöffnet, die kämpfen müssen.
Und so erzählt sie mit ganz ruhigem Ton von einer solchen traurigen jungen Frau, die niemandem etwas getan hat und doch von nahezu allen, vor allem aber von ihrem Vater missachtet wird, ohne daran zu zerbrechen. Ihr quasi-dokumentarischer Stil, der sich ganz in den Dienst der Figuren stellt, tut ein Übriges. Und so wird von den wirklich bewegenden Momenten nur gesprochen, während man den Menschen ins Gesicht schauen kann. Als kleines Mädchen hatte Lily einen Hund, den sie überall mithinnahm. Als sie einmal mit ihm tanzen wollte und ihn dazu an den Vorderpfoten hochzog, quiekte er so laut, dass ihr Vater sie als verantwortungslos tadelte und den Hund ins Tierheim brachte. Nie wieder hat sie sich getraut, sich einem Tier in Zuneigung zu nähern. Es sind Momente wie dieser, und der anschließende Besuch eines Tierheims in Bobs Begleitung, die emotional wirken, ohne spektakulär zu sein. Und das betrifft den ganzen Film. Man könnte noch stundenlang zuschauen. Denn es bedarf nur weniger ernster Bilder, um dem Kitsch zu entgehen und überzeugend gefühlvoll zu sein.






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