Kritik zu The Uprising – Für die Freiheit

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Der Bauernaufstand von 1381 in England wurde am Ende von den Mannen King Richards II niedergeschlagen. Greengrass' historisches Actiondrama mit Andrew Garfield als grimmigen »Ploughman« ignoriert jedoch die Figuren, und entpuppt sich als notdürftig mit Fakten ausgekleidete Gewaltorgie

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Er hieße Ploughman, »Pflüger«, antwortet der gramgebeugte Bauer (Andrew Garfield), als ihn jemand nach seinem Namen fragt. Denn im 14. Jahrhundert ist man, was man tut. Und die englischen Bauern dieser Zeit müssen viel tun, zu viel: Nach dem »Schwarzen Tod«, der in Europa gewütet und (neben Ploughmans Lieben) auch viele Arbeitskräfte zu sich geholt hatte, wurden sie von den dem damals erst 14-jährigen King Richard II (Woody Norman) untergebenen »Lords« und Landbesitzern aufs Unmenschlichste ausgebeutet. Soldaten fungierten als örtliche Geldeintreiber, gegenüber dem am Hungertuch nagenden Volk zeigen sie keine Gnade.

Bei einem besonders brutalen Zusammentreffen, nach dem die Soldaten junge Dorfbewohnerinnen bedrängen, platzt dem wortkargen, stets mit Erde beschmierten Ploughman der Kragen: Er wehrt sich, wird handgreiflich und jagt die Halsabschneider mithilfe anderer Dorfbewohner davon. Die Kunde dieses »Uprising«, der Revolte, macht die Runde und entwickelt sich zu einem der wichtigsten Ereignisse der Zeit: dem historischen Bauernaufstand von 1381 in England.

Die grimmige Ausgangssituation einer schwer gebeutelten Bevölkerung entwirft Regisseur Paul Greengrass in seinem Actionfilm in kurzen Sequenzen, die von traumatisierten Überlebenden und dem durch Anführer wie den Priester John Ball (Jamie Bell) und den Ex-Soldaten Wat Tyler (Cosmo Jarvis) angefachten Lauffeuer kaum erhellt werden. Man erlebt, wie die Aufständischen Richtung London und König marschieren, um ein Gespräch mit ihm zu erbitten – sie beziehen sich auf das legendäre »Book of Doomsday«, das angeblich ihren Status als frei Geborene garantierte. Historisch verbrieft ist zudem die mentale Instabilität des entscheidungsschwachen Königs, der ebenso unter Albträumen wie unter seinem übergriffigen, machthungrigen Council leidet; dessen Treffen mit den Aufständischen, bei denen er sich zunächst als Ehrenmann gibt; und die zerstörerischen Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bewohner:innen – unter die Kämpfenden mischten sich schnell Händler und Handwerker, die ihre eigene Agenda verfolgten.

Doch Greengrass, der auch das Drehbuch seines Films schrieb, scheint die psychologische, die neugierige Herangehensweise auf Dauer zu langweilig zu sein: Seine Geschichte entpuppt sich als notdürftig mit Fakten ausgekleidete Gewaltorgie. So genau, lustvoll, donnernd und vor allem durch Techniken wie Slow Motion ästhetisierend wird das Abschlachten auf Äckern und in den Gassen und Straßen des spätmittelalterlichen Londons gezeigt, dass es die hochinteressanten Hintergründe, etwa die Rolle der Königinmutter Joan of Kent (Katherine Waterston) oder die Listen des Königs, regelrecht von der Leinwand verdrängt. Der Film artet stattdessen immer mehr in Hauen und Stechen, in Metzeln und Massakrieren aus. Selbst Ploughman, dessen fiktive Figur den historischen Handelnden zur Seite gestellt wurde, bleibt trotz Garfields Bemühungen und trotz des dreckverschmierten Gesichts blass. Welches Drama tatsächlich hinter dieser beeindruckenden Geschichte steckt, sollte man sich lieber anlesen.

Meinung zum Thema

Kommentare

Die Kritik kann ich in ihrer negativen Gesamtschau nicht nachvollziehen.
Es ist eben k e i n reines 'Hauen und Stechen' zum Ende hin, sondern der Film offenbart in seiner psychologischen Ausdeutung eben genau diese charakterlich basierende Schwäche des Königs, der sich als "Charakterschwein" outet und eben zu jener Gewaltorgie führt, die sich auch bereits im Vorfeld schon andeutet(e).
Er zeigt genau die Situation der Bauern, denen nach und nach "der Kragen platzt" und immer wieder von den Herrschaftsoberen, allen voran vom König (der wie eine Karikatur seiner selbst wirkt), enttäuscht werden.
Das muss (auch in seiner ganzen Brutalität) gezeigt werden!

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