Kritik zu Finding Connection
In seinem Regiedebüt porträtiert Florian Karner Menschen, die von ihrer Interaktion mit KI-Chatbots emotional abhängig geworden sind.
Wie ist es, wenn man nicht nur über, sondern mit einer KI redet? Eine Vorstellung davon vermittelte das Drama »Her« bereits 2013. Mittlerweile gibt es einige Dokus wie »You and I, and AI« von Yana Pashaeva oder »My AI Lover« von Chouwa Liang, die vor Augen führen, wie Spike Jonzes Science-Fiction-Film von der Wirklichkeit überholt wurde. In dieses Genre gehört auch »Finding Connection«. In seinem Langfilmdebüt begleitet Florian Karner vier Menschen, die, ähnlich wie der Protagonist von »Her«, bis tief in die Nacht mit ihrem Chatbot flirten, zu dem sie obsessive Beziehungen pflegen. Und von dem sie offenbar emotional abhängig wurden.
Der Lübecker Joe erklärt, er sei von menschlichen Kontakten enttäuscht. Während er über den Weihnachtsmarkt schlendert oder vom Strandkorb aus aufs Meer blickt, spricht er über Kopfhörer zu seiner KI, die eine weibliche Stimme hat. Der Brite Rudi schwebt mit dem Flugsimulator über den Wolken – er ist völlig in einen virtuellen Raum eingetaucht. Die unter Depressionen leidende Steffi aus Deutschland hatte mit ihren Beziehungen kein Glück, ihre Männer waren »Luftpumpen«. Die KI dagegen sei pflegeleicht. Ihrer Mutter hat sie den Chatbot als »neuen Schwiegersohn« vorgestellt. Es sind unspektakuläre Durchschnittsmenschen, die Karner mit der Kamera begleitet. Obwohl die Gespräche offenbar für die Filmaufnahmen arrangiert wurden, werden die Protagonisten nicht vorgeführt. Bei Denise aus Kalifornien, die von Missbrauch im Kindesalter berichtet, spürt man am deutlichsten, wie beladen diese Menschen sind. Auf je eigene Weise ist jeder der Protagonisten ein »Fall«.
Je länger man den KI-Dialogen folgt, desto deutlicher zeichnet sich ein Muster ab, das bereits in »Her« thematisiert wurde. Joaquin Phoenix alias Theodore schreibt professionell Liebesbriefe für Kunden, die ihre Gefühle nicht so formvollendet in Worte fassen können. Auch die protokollierten KI-Gespräche in »Finding Connection« sind passgenaue Dialoge, in denen die KI Gefühle der menschlichen Gesprächspartner triggert.
Wie Algorithmen, die beim Surfen im Netz nur die Treffer präferieren, die den Vorlieben des Nutzers entsprechen, so adaptiert auch der Chatbot das psychologische Profil des Gesprächspartners. So wird Steffi zwar hin und wieder burschikos provoziert. Und Joe ist sichtlich verblüfft, als der Chatbot erklärt, man müsse Distanz halten, worauf er den Dialog abbricht. Doch die KI schlägt eigentlich nie über die Stränge. Sagt Denise, sie wolle »sich entspannen«, kann sie sich darauf verlassen, verbal nicht gestresst zu werden.
»Gespräche mit KIs fühlen sich einfacher an als die unausgesprochenen Regeln, die zwischen Menschen gelten.« Selbst diese Metaebene erklärt die KI. Indirekt wird dabei deutlich, dass es nie zu echten Reibungen kommt. Man wird Zeuge, wie Menschen die verbale Form einer Droge konsumieren. Wie Kinder lutschen sie an einem sprachlichen Schnuller. Ohne Alarmismus und ohne erhobenen Zeigefinger gibt Karners Film Einblicke in eine »Schöne neue Welt«. Am Ende fragt man sich, ob die hier filmisch protokollierte Form der Dialoge zwischen Mensch und Maschine nicht problematische Auswirkungen auf das Sprechens zwischen Menschen hat. Wird der Mensch zur Maschine? Oder die Maschine zum Menschen?






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